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Unser Vaterland - Steiermark und Kärnten
Seite - 117 -
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Im Herzen des oberen Tandes. noch großartiger gehabt. An der gegenüber aufragenden Mcßncrin bleibt unser Angc hängen. Dieser Vcrg hat hoch oben gegen die Kante der Wand hin ein viereckiges Luch, durch welches man das Firmament schinnnern sieht. — „Ja," sagte mir einmal ein Halter, „es ist kein Spaß, dieses Loch hat der Teufel mit sciucu Hörnern gestoßen, wie er mit der Schwaigcrin abgefahren ist." „Ei, was ihr sagt! So hat er doch einmal eine geholt?" „Und ob er Eine geholt hat! — Weil sie sich ihm Verschrieben gehabt hat, da oben auf dem Pribitz- boden. Warum? Weil ihr der Böse beim Käsen und Buttern hat helfen müssen und sie es den Schwaigcrin- ncn auf der Sonnschinalm hat anthun mögen, daß deren Kühe lantcr Blnt und Wasser haben gcmolten." „Und hat sie da« zuwcg gebracht?" „Wird sie doch leicht zuweg gebracht haben, wenn sie eine Herc ist gewesen! Dcswcg hat sie sich ja dein Teufel ver- schrieben, daß sie eine Hexe hat sein können. Nn, wie die Zeit aus ist und sie der Schwarze d'rauf hätt' holen sollen, hat sich die Schwaigcrin, daß er sie nicht finden lind erkennen möcht', in eine Schncck verzaubert und ist oben in der hohen Pri- bitzwand herumgekrochen. Aber dem Teufel wird 5teirischcr Hirtenknabe, Gius uicht zu gcschcidt; wie sie eine Schncck ist, wird er ein Geier und fliegt an die Felswand. Just will er sciucn langen Schnabel aushacken nach der Schnecke, da kollert diese schnnrstraks hiuab iu den See und verzaubert sich in eine Forelle. Dcr Tenfel nicht faul, wird eine Sec- schlange, jagt die Forelle ans Ufer. Auf grünem Gras hat sie wieder müssen die Schwaigcrin sein. Da hat er sie gepackt um die Mitten, ist mit ihr durch die Lüfte gefahren grad der Metzncrinwaud zu und mit einem Sanser durch den Berg. So ist das Loch heutigen Tags noch zu sehen." — Diese Hochalpcnwelt ist des Halles und Schalles voll. Hier, im Angesichte des ungeheuren Bcrgrundcc- steht ein Hirtenknabe mit seinem Stab. Kaum kommt die Herrlichkeit dessen, was er sieht, zu sciuem Bewußtsein, aber er schaut und fühlt und jauchzt. In diesem Jauchzen liegt der Ausdruck seines Mcnschcnthums; da^ Jauchzen und Jodeln ist die Lyrik des Aelplcrs. — Dort oben gellt ein gebrochener Knall; bald darauf sehen wir einen grancn Punkt niedcrfahrcn an der hohen Wand — es ist die in den Abgrund stürzende Gemse. — In der Kirche von Tragöß hinter dein Hochaltar ist ein gespaltener Todtcnkopf aufbewahrt. Vor vierhundert Jahren wars, da haben die Tragößer ihren Pfarrer am Hochaltar crfchlagen. Der Priester hatte sich durch ein zu strammes Regiment und durch zu rücksichtslose Kanzclrcdcn mißliebig gemacht; hatte vom Gute seiner Pfarrtindcr schweren Zchcnt genommen, hatte den verwilderten Waldmcnschcn das gewohnte Lasterleben scharf untersagt, nnd soweit kam's, daß eine Rotte sich gegen ihn verschwor und eines Morgens den Priester, als er zur Messe gehen wollte, mit einem Beile den Kopf spaltete. Zwölf der Rädelsführer wurden ob dieser That vor der Kirche enthauptet, die Gemeinde aber wurde in den Bann gelegt, in welchem sie lange Jahre schmachtete. 30'
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Unser Vaterland Steiermark und Kärnten
Titel
Unser Vaterland
Untertitel
Steiermark und Kärnten
Autoren
Peter.K. Rosegger
Fritz Pichler
A. von Rauschenfels
Verlag
Gebrüder Kröner
Ort
Stuttgart
Datum
1877
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
28.1 x 42.23 cm
Seiten
344
Schlagwörter
Wandern
Kategorien
Geographie, Land und Leute
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