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Steiermark,
Von Kapfenbcrg thalaufwärts macht uns ein Kreuz, das an der Straße steht, aufmerksam anf die Wall-
fahrtskirche Maria Rchkogcl, die hoch am Bergstöcke des Rcnnfcldcs steht. Tas Muttcrgottesbild, welches in der
großen, prachtvollen Kirche verehrt wird, soll ein Reh im Walde gefunden haben, welches Hirten vor demselben knieend
angetroffen hätten. Die Landlcute opfern dem Fraucnbilde häufig eiserne Rinder, Schweine uud Schafe, um sich dadurch
einen gesegneten Vichstand zu erflehen. Die eisernen Figuren verkauft die Kirche nachher an die Marktbuden, die
vor derselben stehen, und fu kommen die gleichen Opfergaben von den nächsten Wallfahrern wieder zur Verwendung.
— Dafür ist aber auch der Rinderschlag des Mürzthalcs ein ansgezcichnctcr und weit nnd breit berühmt.
Der forcllcnreichcn Mürz entlang kommen wir an dem alten Marcin und Mürzhofe», dem annmthigen
Rmdberg mit Kalrarienbcrg,
St. Lorcnzen nnd Allerheiligen vorüber nach dem stattlichen Kindberg mit seinem wcithinleuchtrnden Schlosse und
seinem malerischen Kalvaricnbcrge.
Der Felc'tegel des letzteren ist vom Fuße bis hinan zum Scheitel besetzt mit Statuen. Christns, Maria,
Magdalena, Johannes, die übrigen Apostel, die Indcn, die Schacher — alle sind da, den Andächtigen znr Erbauung.
Zur Sommerszeit ist die Stätte gar verlassen; da wnchern an den Wänden Sträuche und wilde Rosen, da sonnen sich
Eidechsen nnd Nattern im Gestein, oder es fitzt eine Wildtaube auf des Schachers Haupt, oder es brütet eine Amsel
in der Kopfhühlnng der Veronika. Oder es kommt der alten Nachbarin Ziege herbei und nagt die Glafur von den
Statuen; oder es kommen gar Sommcrparthiccn in den nebenstehenden Pfarrhuf, deren Kinder den Kaluarienbcrg
als fröhlichen Spielplatz benutzen. — Aber zur Winterszeit, wenn Schnecstürinc bransen um die Bildsäulen und der
Aschermittwoch da ist, da kommen sie von den Bergen herab, aus den Wäldern hervor, die Andächtigen und die
Armen, um sich an dem Leiden des Heilandes zn trösten. Da wird arg gebetet und gesungen. Wohl aber kann
ein Wciblcin dabei sein, das nicht im Stande ist zu singen nnd zn beten — aus heller'Wuth gegen den falschen
Würgen möchte sie ihn. Schon spannt sie dazu die Sehnen, da reißt die Vctschnur ab und alle „fünfzehn
heimnisse" kollern heillos auf den Boden. — Ein anderes Müttcrlcin will schon früh Morgens den Berg besteigen,
Unser Vaterland
Steiermark und Kärnten
- Titel
- Unser Vaterland
- Untertitel
- Steiermark und Kärnten
- Autoren
- Peter.K. Rosegger
- Fritz Pichler
- A. von Rauschenfels
- Verlag
- Gebrüder Kröner
- Ort
- Stuttgart
- Datum
- 1877
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 28.1 x 42.23 cm
- Seiten
- 344
- Schlagwörter
- Wandern
- Kategorien
- Geographie, Land und Leute
- Geschichte Vor 1918