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Unser Vaterland - Steiermark und Kärnten
Seite - 127 -
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Im Thale der INurz, der Menschheit die Sehnsucht nach dem Göttlichen, nach der Idylle Eden-:- - daö Heimweh des Herzens nach dem Herzen. — — Und nun nehmen wir, noch einen letzten Blick auf die Leute werfend, Abschied von diesem Lande. Tie Bewohner des Mürzthalcs, meist kräftige Gestalten, gleichen an Charakter und Lebensweise den Mur- und Enns- thalcrn. Tie Kleidung ist hier nicht durchgeheuds steirisch, so wie diese malerische — aber freilich mitunter unprak- tische Tracht — leider auch in den oberen, westlichen Theilen des Landes allmählig schwindet. Der Mürzthalcr ist redlich und gcmüthvull, aber sein Wesen verlängnet anch eine gewisse Schneidigteit nnd Barschheit nicht. Er ist conservatiu, aber nicht bigott, — ist mißtrauisch gegeu Frcmdec- und Neues. Jedoch sieht er die Zuzüge der Sommer- frischler, die von Jahr zu Jahr zunehmen, nicht ungern, nnd man merkt doch in Allein den Einfluß, den Stadt und Welt auf ihn üben. Tie alten Sitten und Traditionen verschwinden, und endlich lebt man im Mürzthale nicht mehr anders, als wie etwa in der Umgebung Wiens. Außer es kommt einmal ein Taufgang, oder eine Todten- bahre, oder ein Hochzcitszug aus einem der tiefen Bergthäler heraus — das bringt noch Ursprünglichkeit mit an die Tämmc der Eisenbahn. Drei und vier Stunden weit drin in den hohen, entlegenen Waldthälern wohnen auch noch Menschen, die ihr Taufwasser und ihren Hochzcitswein in der Pfarrkirche hcraußen holen müssen, uud die nach vollbrachtem Tagwerk anf dein Friedhofc der Pfarrkirche ruhen wollen. Tie Feierlichkeiten sind stew pathetisch, oft auch reich mit Possen vermischt nnd enden mit Essen nnd Trinken. Bei Begräbnisseil gibt es wenig laute Klage, aber viel Glockengeläute; bei Hochzeiten viel Kränze und Bäuder nnd Mnsit lind Böllcrknall. Die alten Gebräuche der Hochzeiten werden zuineist zu Hanse bei der Werbung, beim Frühmahle und bei der Rückkehr vom Hochzeit^ tage geübt, es sind deren so viele, daß ich den, der sich dafür interessiren mag, wohl auf inein „Volksleben in Stcicrmark" verweisen mnß< Allmälig werden anch diese meist dem germanischen Alterthnm cntstammcndcn Sitten verlöschen; jüngere Leute schämen sich hellte scholl der alteil Weise. Nnr der steirische Tan;, in welchem Kraft nnd Anmuth so herrlich zum Ausdrucke kommen, der in seinen Mienen das ganze Menschenleben mit Freude lind Schmerz plastisch lind lebendig darzustellen weiß — der deutschen Tanzkunst edle Blüthe, der Stcircrtanz wird gehegt lind von der jungen Generation mit seiner Zither und seinen Liedchen, die dazu gehören, wieder nen zur Geltling ge- bracht. Im Allgemeinen ist der Steircr ja so stolz auf sein Steirerthnm lind er kehrt es hervor wo er kann. Aber dessen sich urcigentlich bewußt wird er erst, wenn er in der Fremde ist lind das Heimweh wach wird in seinem Herzen. Gegen Heimweh, wenn es ihn einmal ergriffen hat, kämpft er vergebens an. — Kehrt der' Tteircr aus den Weiten aber glücklich zurück nnd sieht er sie wieder, seine grüne Heimat, da quillt ihm wohl aus tiefster Brust des Liedes Jauchzen: u'!'cs schöne Hnu> i>l »n'i,i mei» lieücs ^
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Unser Vaterland Steiermark und Kärnten
Titel
Unser Vaterland
Untertitel
Steiermark und Kärnten
Autoren
Peter.K. Rosegger
Fritz Pichler
A. von Rauschenfels
Verlag
Gebrüder Kröner
Ort
Stuttgart
Datum
1877
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
28.1 x 42.23 cm
Seiten
344
Schlagwörter
Wandern
Kategorien
Geographie, Land und Leute
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