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Unser Vaterland - Steiermark und Kärnten
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^lagenfurt und Umgebung. eingeführt. Mit der Erweiterung der neuen Landeshauptstadt war es auf das Natürlichste zusammenhängend, daß deutsche Gcwerbsleute evangelischen Glaubens vermöge Handelsfreibriefs herbeieilten; daß der junge Nachwuchs, der bürgerliche nicht ausgenommen, von der Fackel der Neuzeit endlich aufgeweckt wurde und daß schließlich Klagenfurt eine der rcformiertestcn Städte Oestreichs geworden ist. Seit 1604 war den Patres Jesuiten das evangelische Bcthaus zur Dreifaltigkeit (jetzige Domkirche) übergeben worden, und man kann sich gut denken, was da drinnen die Hauptarbeit der löblichen Rectoren seit Nicolaus Coronius geworden. Seit diesen Tagen waren die klagenfurtcr Bürger und die Bewohner all der schönen Thäler um sechshundert Jahre zurückversetzt und mußten sich wie ihre ehrsamen Altvordern als pure Heiden behandeln und retten lassen. Die „Buchführcr" waren gehalten, die bedenk- lichen Schriften abzugeben, nur zwei Fleischer durften Fasttags feil haben, alle Hartnäckigen mußten mit Rücklassung des Besitzzehntels auswandern. Das thaten die Edlen Khevenhiller, Ernau, Egg, Freibcrg, Welzer u. a.; ohne den Schirm der Stände aber waren die Klagcnfurtcr völlig machtlos geworden. Der Jesuiten, denen man allerdings je zuweil gar zu arg zugesetzt hatte, waren schon über fünfzig, und dennoch leben znr Stunde mehr, als die Gcsammt- bewohnerzal der Hauptstadt beträgt, evangelische Christen im Kärnterlnnd. Es sind Siebcnzehntausend, mehrenthcils um Feldkirchcn, Villach, Paternion, Gmünd, Hermagor. Die Kriegszeiten bis 1648 waren für die Glanstadt auch durch Felderdürre, Brand und Aufstandfurcht gekennzeichnet. An den Kampf der Rcichsländer erinnerte höchstens die Revolte der Schoffifchen Dragoner und Ranftischen Musketiere, welche des Generals Leslie Nachfolger Locatelli nach Italien abführen sollte, der haftwcise Aufenthalt der vier churfürstlichen Prinzen von Bahcrn, fünf- bis neunjährige Knaben, welche auch zu Schluß Tanzcnberg und Loretto Zeitvertreib suchten (1706 — 1708). Der verheerende Brand von 1723 ließ wol wenige von den sechstausend Bewohnern der Stadt ungcschädigt, aber alle Welt — wir wissen's — wurde ja für die Franzosen aufgespart, um durch ihre Weltreich-Manie recht gründlich aufgerüttelt und aufgeschüttelt zu werden. Wie im Großen, so im Kleinen. Im Jahre 1797, nach Mantua's Eroberung war's, da besetzten die aus dem Canalthalc herangccilten Franzosen unter Masscna die eben von den Oestrcichern verlassene Stadt; der Commandant, im Vischofspalastc eingeheimst, würde die schweren Leistungen und sein persönliches Geschenk von vielen tanscnd Francs unfehlbar eingetrieben haben, hätte nicht der Obergcncral Vonaparte, den 30. März nachfolgend, das Verwaltungs- wcsen mittelst einer Landcsmmmission glimpflicher angefaßt. Napoleons Wuhnhaus durch drei Tage war jenes des Grafen Ferdinand Egger. Vernadottc und Iuubcrt folgten. Die ständischen Kanonen nahm der Feind zur freund- lichen Erinnerung an den lcobcncr Frieden mit. Im Jahr 1805 sprengten die Reiter Massena's schon wieder durch die Stadtthore herein, und nun galt Iago's Wort: ,,Thn Geld in Deinen Beutel". Die Matadore der clfwöchcntlichen Bcsctzungszcit waren Marschall Ncy und General Gruuchi. Doch das sollte nur schwaches Vorspiel sein. Seit Mai 1809 war ein vollständiges Kricgsbild aufgerullt. Hatte die Festungscrklärung schon die Bewohner erschreckt, zumal sie zur Zeit der Waffenruhe erfolgte, so brachte der vollendete Friedensschluß noch Aergercs. Wahre Rauhnächte und die friedlosesten Weihnnchtstage waren jene, welche das Jahr 1810 einleiteten; Tag um Tag ent- setzliches Erplusionsgekrach, Sprengung kolossaler Bautenrcihen auf siebcnzig Klaftern Länge, nur um nie mehr an den wuchtigen Wallgcfügen ein Hinderniß für den Frankenadlcr zu finden. So fallen auch drei mit Relief- und Inschriftwcrk gezierte Stadtthore, das vierte gegen Ost kauft Cardinal Salm vom Untergänge um 30,000 Gulden in Baneu los; dennoch hat es die jüngste Zeit demoliert. Zur Stadtverwüstung der große Finanztrach von 1811, die Abreißung des Oberlandes mit der Zutheilung an Illyricn und Italien, Kriegsaufrcgung, Seuchen, schließlich die hiesige Hofhaltung des Herzogs von Berry (1820) — darüber eilen wir billig hinaus. Seit den Freiheits- kriegen ist der nach Kaiser Josephs I I . Tagen in den Frcimaurcrtreiscn erstickte Aufschwung des Geistes nur all- gemach wieder hervorgetreten aus der Landeshauptstadt. In Kunst und Wissenschaft wurden gerade in der trost- losesten Aera höchst gedeihliche Anregungen geboten und nicht bloß mit dem äußeren Kleide der Neubauten seit der Eisenbahn-Periode, auch mit den geistigen Gründungen hat die Glanstadt dem Genius der Gegenwart gehuldiget.
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Unser Vaterland Steiermark und Kärnten
Titel
Unser Vaterland
Untertitel
Steiermark und Kärnten
Autoren
Peter.K. Rosegger
Fritz Pichler
A. von Rauschenfels
Verlag
Gebrüder Kröner
Ort
Stuttgart
Datum
1877
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
28.1 x 42.23 cm
Seiten
344
Schlagwörter
Wandern
Kategorien
Geographie, Land und Leute
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