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Der österreichische Werbefilm - Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
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DEMSALZKAMMERGUT (A 1919) Streifen, die imBereich der Fremdenverkehrswerbung eingesetzt wurden. Die im Bereich „Handwerk, Technik, Gewerbe und Industrie“ verorteten Filmewie GLÜHLAMPEN-ERZEUGUNG (A 1921), DIE ERZEUGUNG VON ZIGARET- TENHÜLSEN (A 1920),WIENERKERAMIK (A 1920) oderMÖBELERZEUGUNG (A 1921) hatten die industrielleVielseitigkeitundwachsendeökonomischePotenzdesKleinstaates im In-, aber vor allem imAuslandunter Beweis zu stellen. Die implizierteWerbe- botschaft konnte mehr oder weniger ausgeprägt sein. Beispielhaft verdeutlichen dies zwei Filme, die unterMitwirkungderWienerModellgesellschaft vonder FHS und unter der Regie Eduard Borsódys hergestellt worden waren. Der „Mode- propagandafilm“343 KLEIDER MACHEN LEUTE (A 1920) präsentiert sich als klassische Dreiecksgroteske. Ein verheirateter Mann begeistert sich für einemondän geklei- dete Frau und verabredet ein Stelldichein im Türkenschanzpark. Seiner Gattin bleibt dies nicht verborgen, sie zweifelt an ihrer eigenen Attraktivität. Auf Vor- schlag ihres Bruders bestellt sie ein neues, modisches Kostüm, das letztlich mit dazubeiträgt, dass ihr Gemahl reuig undbekehrt in den ehelichenHafen zurück- kehrt. Nicht etwa dasModehaus steht imMittelpunkt derHandlung, sondern das optische Konkurrenzverhältnis der beiden Frauen. Die im eigenen Heim Trübsal blasende „unschuldige“Ehefrau in legerer,weißerwallender Kleidungmit Häub- chen wird in einer Rückblende der lasziv agierenden, modernen Gegenspielerin direkt gegenübergestellt. Die dominierenden Groß- und Naheinstellungen unter- streichen die emotionalen Befindlichkeiten und Charakterzüge der Protagonistin- nenundProtagonisten. Dermimische undgestischeAusdruckderDarstellerwird in den Blickpunkt gerückt. Der Zuschauer bzw. vor allem die gutbürgerliche Zu- schauerin als definitive Zielgruppewird direkt in das Geschehen einbezogen. Die Demonstrationder unmittelbarenWirkungder neuenToilette dient als Beweis für dieProduktempfehlung. KLEIDERMACHENLEUTEbezieht sichallerdingsnicht nur auf dieneueanziehende Ausstrahlungder Ehefrau, sondern auchauf denäußerenScheinderKonkurrentin. IhrReiz ist rein oberflächlicherNatur, ihr unmanierliches und zudringlichesBeneh- men (fehlende Tischmanieren, offene körperlicheAnnäherung) in derÖffentlichkeit lässt ihr „wahresWesen“ klar erkennen.DieAbneigungdes beinahe treulosenEhe- manns steigert sich zusehends.Die innereUmkehrundderErhalt des ehelichenGe- lübdes vollziehen sich noch vor dem Anblick der neu eingekleideten Gattin. Die Degradierung des Flirts erfolgt schließlich doppelt. Der Schwager wird beauftragt, sich der „Ware“ anzunehmen: „Sei so gut und gehe in die Oper. In der LogeNr. 3 findestDueine jungeDame ...Sag ihr, ichbinplötzlichgestorbenundaufmeinem Sterbebetthabe ichDichzumUniversalerbenallerbeweglicherGütereingesetzt.“Der chauvinistischeScherz zeugt von einemmännlich konnotierten „Moralverständnis“, 343 ÖStA, AdR, Staatskanzlei-BKA, alt, Varia, Staatl. Bundes-Film-Hauptstelle, 1921, Ktn. 236, Zl. 572/3,Ggstd.:AustrittdesAufnahmetechnischerEduardBorsódy,Mai 1921. 6.1 PropagandafürStaatundVolk–DieStaatlicheFilmhauptstelle 79
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Der österreichische Werbefilm Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
Titel
Der österreichische Werbefilm
Untertitel
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
Autor
Karin Moser
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-062230-0
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
316
Schlagwörter
Culture of memory, media history, advertising
Kategorie
Kunst und Kultur
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