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Der österreichische Werbefilm - Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
Seite - 87 -
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photographiert, dasichdieDamenichtnuraufdasZuschauenbeschränkte.“Eine Gruppe von Arbeiterinnen in einheitlicher Dienstkleidung klopft die gekühlten Schokoladenstücke aus den Formen. Während die Kamera langsam nach links schwenkt, kommt eine junge Frau ins Bild, die sich aufgrund ihrer Alltagsklei- dung rein optisch vonden anderenunterscheidet unddie eifrig Schokoladenstü- cke verzehrt. Eine Nahaufnahme mit einem direkt auf die Dame gesetzten Lichtspot lässtdenZuschauerdirekt andievermeintlich„ertappte“Personheran- rücken.ObderBeobachtungvorgeblicherschrocken,winkt sie letztlich freudig in dieKamera.Diese „privat-persönlich“ anmutende Szenebringt zugleich ein stark werbendes Element ein. Die Schokolade scheint so unwiderstehlich zu sein, dass selbst eine Angestellte dieser Versuchung nicht widerstehen kann. Die Duldung dieses Missverhaltens wertet Betrieb undWare auf: Die Firma beweist aufgrund der Güte des Produkts Feingefühl hinsichtlich des „verzeihlichen und verstehba- renVergehens“unddemonstriert zugleichpositivesEinverständnismitderBeleg- schaft. Die Produktempfehlung folgt amEndedes Films (nach einer Totalansicht mittelsVignetten-Kasch-MaskeaufdieFabriksanlagemit ihrenrauchendenSchlo- ten). Ein Kind wird zum überzeugenden Testimonial: Der in frontaler Nahauf- nahme präsentierte Bub stopft sich gierig Schokolade in denMund, wobei diese aufdemGesichtbereits großflächigeFleckenhinterlassenhat.DiekindlicheTest- person löst Empathie aus und bescheinigt durch ihre implizierte Unbestechlich- keitdengutenGeschmackdesProdukts. Anders als in DIE SÜSSE FABRIK steht in DER ZUCKERLONKEL der Appell an die potenzielle Zielgruppe (Kinder bzw. deren Eltern etc.) nicht am Ende. Vielmehr wirddiesezuBeginneingeführtund inZwischenschnittenalsReferenz laufend in den Fokus genommen. Die Einstiegssequenz spielt in einem gutbürgerlichen Haushalt (Spielzeug: Porzellanpuppen, Kinderwagen, Spielzeugauto, Schultafel; Kleidung der Kinder: Kleider mit weißem Kragensatz, Haarmaschen, Jäckchen). DerOnkel betritt dasKinderzimmer (Tür in derMitte desHintergrundsplatziert), eilig laufen ihm die Mädchen entgegen. Den am Schreibpult sitzenden kleinen Jungenhebt er hochund trägt ihn zu einer imVordergrund zentrierten,weiß la- ckiertenSitzgruppe.MannimmtPlatz.Wechsel von totaler zuhalbtotalerEinstel- lung:DerOnkel zieht einePapiertüte hinter seinemRückenhervor. DieMädchen greifensofortnachdemSäckchen, er entzieht es ihnen.DerkleineBubbetteltmit denHändenumdie Süßigkeiten. Bedeutungsvollmit Zeigefinger undgroßenGe- sten beginnt der Oheim nun eingehend zu erzählen (Schnitt: Nahaufnahme des Mannesmit demKind an seiner Seite, Schnitt/Groß:DieHanddesOnkels gefüllt mit einer Zuckerlsorte). Es folgen Szenen aus den Pralineewerken der Firma Meinl. Flüssige Massen werden Maschinenbehältern entnommen und per Hand weiterverarbeitet– gewalkt, geformt, getunkt, sortiert, gewogen, portioniert und verpackt. Auch in diesem Industriewerbefilm herrscht das Prinzip dermenschli- chen Kontrollgewalt über dieMaschine vor. Die technische Einrichtung fungiert als Werkzeug, das sich der Beobachtung durch die Fachkräfte nie entzieht. Ein 6.2 Werks-, Lehr-undWerbefilm 87
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Der österreichische Werbefilm Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
Titel
Der österreichische Werbefilm
Untertitel
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
Autor
Karin Moser
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-062230-0
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
316
Schlagwörter
Culture of memory, media history, advertising
Kategorie
Kunst und Kultur
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