Seite - 93 - in Der österreichische Werbefilm - Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
Bild der Seite - 93 -
Text der Seite - 93 -
gestelltwerden.Dabei legtedie „Arbeitsgemeinschaft für technisches Lichtbild- und
Filmwesen“ vonBeginnandenMehrfachzweckder zuproduzierendenStreifen fest.
DieFilmesolltenallgemeingehalteneWerbeaufnahmenzeigenbzw. füreinbestimm-
tes Erzeugnis Reklame machen. Zugleich wollte man das filmische Material aber
auchals„Lehrfilm fürVerbraucher, fürSchulen, fürdieeigenenAngestellten“ sowie
als„Studienfilm“einsetzen.DaswerbendeElementwärenach„psychologischenGe-
sichtspunkten“ auszurichten, die Reklame solle „schondurch die filmischeDarstel-
lungundnicht bloßdurchdenTextwirken“. Sie dürfe „nicht aufdringlichund erst
gegenEndedesFilmserkennbarsein“,denn„derWerbefilmistgut,wennerzugleich
einguterLehrfilm ist.“402DiskutiertwurdeaberauchderpädagogischsinnvolleAuf-
bauderStreifen. So sollte etwadasTempoder Zwischentiteleinblendungenentspre-
chend berücksichtigt werden, da ein zu langes Verweilen auf der Schrift den Fluss
des Films störe.403 Den Einsatz des Tonfilms lehnten die Vertreter der Kommission
tendenziell ab. BeiVorführungen inderWienerUraniahättemandie Erfahrungge-
macht, dass „dieZweiteilungderAufmerksamkeit aufBildundWort“dieSchülerin-
nenundSchüler überfordere. Als viel bedeutender erachtetemandie gesprochenen
Erläuterungen,die fürdenjeweiligenStreifenzurVerfügungstehensollten.404Trick-
filmsequenzenbefürworteten dieMitglieder derArbeitsgemeinschaft hingegen: Vor-
gänge, welche die Kamera nicht festmachen konnte, wären per Zeichentrick zu
erklären, komplexe Prozesse könnten so vereinfacht dargelegt werden.405 Letztlich
forderte der Arbeitskreis dieHerstellung pädagogisch adäquater und technisch ver-
sierterstummerSchmalfilmefürdenSchulunterricht.406
Die österreichischenUnternehmerwollteman seitens der Arbeitsgemeinschaft
vor allem auf jene Vorteile hinweisen, welche Filme, die sowohl einenWerbe- als
auch einen Lehrfilmcharakter aufweisen,mit sich brachten.Mit derart gestalteten
Filmen ließe sich „unauffällig“ der jugendliche Nachwuchs und damit auch „der
402 ÖStA,AVA,BMU,Volksbildung:Film,1932,Ktn.489,Fasz.473,Gschz. 10760-II/10b,1932,Ggstd.:
Vorführungtechnischer, industriellerundgewerblicherFilme,Berichtüber9.Vorführung,März1932.
403 ÖStA, AVA, BMU, Volksbildung: Film, 1932, Ktn. 489, Fasz. 473, Gschz. 8713-II/10b, 1932,
Ggstd.: Niederschrift der Beratungen der 1. Sitzung des vorbereitenden Ausschusses der techni-
schenArbeitsgemeinschaft fürLichtbild-undFilmwesen, 12.Februar 1932.
404 ÖStA, AVA, BMU, Volksbildung: Film, 1932, Ktn. 489, Fasz. 473, Gschz. 8713-II/10b, 1932,
Ggstd.: Niederschrift der Beratungen der 2. Sitzung des vorbereitenden Ausschusses der techni-
schenArbeitsgemeinschaft fürLichtbild-undFilmwesen,26.Februar1932.
405 ÖStA, AVA, BMU, Volksbildung: Film, 1932, Ktn. 489, Fasz. 473, Gschz. 10760-II/10b, 1932,
Ggstd.: Vorführung technischer, industrieller und gewerblicher Filme, Bericht über 9.
Vorführung,März1932.
406 ÖStA, AVA, BMU, Volksbildung: Film, 1932, Ktn. 489, Fasz. 473, Gschz. 8713-II/10b, 1932,
Ggstd.:Protokollder 1.VollsitzungderArbeitsgemeinschaft für technischesLichtbild-undFilmwe-
sen, 1.April 1932. 6.3 Bildungs-undWerbefilm 93
zurück zum
Buch Der österreichische Werbefilm - Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938"
Der österreichische Werbefilm
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Titel
- Der österreichische Werbefilm
- Untertitel
- Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Autor
- Karin Moser
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-062230-0
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 316
- Schlagwörter
- Culture of memory, media history, advertising
- Kategorie
- Kunst und Kultur