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Kunde von morgen“ umwerben. Die Schülerinnen und Schüler würden „daheim
und anderwärts“ über das Gesehene berichten, wobei in der Folge zu erwarten
wäre, dass auch „Elternvereinigungen Interesse an derartigen Filmvorführungen“
bekunden. Das Publikum und somit die potenziellen Käufer werden schließlich
„die Erzeugnissemit ganz anderemVerständnis“wahrnehmen, „als dies bei her-
kömmlichermarktschreierischerBild-undMarkenreklamederFall ist“.407
Der heimischen Industriewie auch der Reklamebranchewaren solcheÜberle-
gungen keineswegs fremd. Der „ernsthafte“ und „instruktive“ Werbefilm wurde
auch indenFachblätternprotegiert.DerartkonzipierteStreifensollten imSinneder
„Volksbildung“WissenswertesanbietenunddieKenntnisse indenBereichenTech-
nik, Chemie, Landwirtschaft, Geografie, Ethnografie, Soziologie, Ökonomie, Hy-
giene, Heilkunde, Verkehrswesen oder Warenkunde erweitern.408 „Ich biete Dir
eineDich interessierendeUnterhaltung, sageDir etwas für DichWesentliches und
frage nicht nach demNutzen fürmich. Lernemich kennen, das genügtmir“, gab
manals„vornehmenGrundgedanken“der„dezenten“Reklameaus.409Diegezielte
Werbearbeit in den Schulen erkannte man als besonders Erfolg versprechende
Option. Kinder und Jugendliche könnte man im Unterricht mit Artikeln bekannt
machenundderenGebrauchswert erörtern.DieAufmerksamkeit sei indiesemRah-
men ohne zusätzlichen Kostenaufwand vorhanden. Die Voreingenommenheit ge-
genüberderReklame falle zudemweg,daderLehrer vondenSchülernals objektiv
wahrgenommen werde. Die werbende Tätigkeit für den Produzenten erfahre auf
dieseWeiseeineerheblicheErleichterung,undderenFolgenwürdensichauf lange
Sichtmehrals rentieren.410
Heimische, aber auch internationaleUnternehmererkannten folglichdurchaus
denNutzen,der sichauseinemsogestaltetenwerbendenLehrangebot ziehen ließ.
Dementsprechend reichtenzahlreicheFirmen ihreFilmezumZweckederApproba-
tion als Unterrichtsfilme ein. Hier zeigte sich jedochmitunter, dass Lehr- und Re-
klameinhalte schwer zu vereinbaren waren. Immer wieder stießen sich die
GutachterdesUnterrichtsministeriumsaneiner zuauffällig erscheinendenPräsenz
desMarken-bzw.Firmennamens.SelbstStreifen,dieaufeinegezielteBevorzugung
österreichischerProduktegegenüberausländischerabzielten,konntenbeanstandet
407 ÖStA, AVA, BMU, Volksbildung: Film, 1932, Ktn. 489, Fasz. 473, Gschz. 8713-II/10b, 1932,
Ggstd.: Arbeitsgemeinschaft für technisches Lichtbild- und Filmwesen. Anforderungen an techni-
scheFilme,Richtlinien für ihre rationelleHerstellung, 1932.
408 ÖsterreichischeReklame, „ReklameundVolksbildung“, Nr. 17,November 1928, S. 11.Contact,
„ReklameimDienstederVolksbildung“,Nr. 11,November1933,S. 19–20.
409 Österreichische Reklame, „Josef Wilhelm Farnik: Der technischeWerbefilme“, Nr. 11/12, No-
vember/Dezember1929,S. 50–52.
410 Österreichische Reklame, „Wie kann die Schule die Reklame fördern?“, Nr. 10, Oktober 1928,
S.37–44.
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Der österreichische Werbefilm
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Titel
- Der österreichische Werbefilm
- Untertitel
- Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Autor
- Karin Moser
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-062230-0
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 316
- Schlagwörter
- Culture of memory, media history, advertising
- Kategorie
- Kunst und Kultur