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Produkts vorgeführt. Die Präsentation detaillierter Produktionsprozesse entspricht
wiederumdemGenre Industriefilm.WÄSCHE-WASCHEN-WOHLERGEHEN istaberauchein
Unternehmens- oder Imagefilm, da Produkte, Kundenservice (Wanderlehrerinnen,
Korrespondenz)undUnternehmensphilosophie (sozialeFürsorge,SchaffungvonAr-
beitsplätzen,BeitragzurVolkswirtschaftundzumGemeinwohl)umfassenddargelegt
werden. Letztlich nutzte der tönende Persilfilm vor allem die neueste Filmtechnik,
um die Modernität des Betriebs zu unterstreichen. Marketingstrategien und zeitge-
nössischeProduktionsprozesse, aber auchein volkswirtschaftlich-nationalerDuktus
sindablesbar.
Im März 1934 wurde die österreichische Version des Films WÄSCHE-WASCHEN-
WOHLERGEHEN dem Unterrichtsministerium zur Begutachtung hinsichtlich seiner
Eignung als Bildungsfilm vorgelegt. Die Kommissionsmitglieder stellten sich die
grundsätzlicheFrage, obeinoffensichtlicherWerbefilmauch fürdieVorführung in
Schulen geeignet sei. Tatsächlichwarman jedoch schon in den Jahren zuvormit
gleichartigen Fällen konfrontiert worden, wobeiman sich damals fast ausschließ-
lich gegen die Bezeichnung „Bildungs- und Lehrfilm“ aussprach, die Vorführung
vor Jugendlichen aber zuließ.422 Hinsichtlich der Produktion WÄSCHE-WASCHEN-
WOHLERGEHEN erkannte man besonders die Darlegung der „neuzeitlichen und ra-
tionellen“ FormderWäschereinigung an: „Es ist ganz gut, dass die Öffentlichkeit
einmalaufdas fortschrittlicheWaschenaufmerksamgemachtwird;bedauerlich ist
nur, dass eine solcheDarstellung bisher nicht in neutralerWeise und auf öffentli-
che Initiativehingeschaffenwurde, sonderndasserst einePrivatfirmaeinenderar-
tigen Film – natürlich zu Werbezwecken – herstellen ließ.“ Man beanstandete
schließlich besonders den letztenAkt, der vornehmlich offensichtlicheReklamese-
quenzen enthielt. Ein völligerWegfall eben dieser Szenen sowie der Österreichan-
sichten zuBeginn des Filmswurden als Voraussetzung für eineAnerkennung des
StreifensalsBildungsfilmgefordert.DieFirmaPersil sahsichausfinanziellenErwä-
gungen außerstande, die gewünschten Kürzungen durchzuführen, verzichtete auf
den Unterrichtsfilmstatus und beließ es bei einer Bestätigung der Zulassung der
Produktionfür JugendlicheundUnmündige.423
WÄSCHE-WASCHEN-WOHLERGEHEN fand gleichwohl weite Verbreitung. Der Film
wurde bei freiemEintritt imKino vorgeführt. „Ein Tag in denPersilwerken–Bilder
vomWascheninalterundneuerZeit–RichtigeBehandlungfarbigerWäsche–Häus-
licheReinigungundneuzeitlicheGesundheitslehre zeigt dieser Film!“, kündigtedas
422 AlsLehr-undBildungsfilmabgelehntwurdenEINGANGDURCHÖSTERREICHSGRÖSSTESEIFENFABRIK
(A 1931),Auftraggeber: Schicht LeverBrothers,VOMWASCHENUNDVONDERWÄSCHE (D1929),Auftrag-
geber:Henkel. Als Lehrfilm zugelassenwurdeDIENÄHMASCHINE (D 1931), Auftraggeber: SingerNäh-
maschinenA.G.Vgl.:ÖStA,AVA,BMU,Volksbildung:Film,1934,Ktn.491,Gschz. 12694-II/10b,1934,
Ggstd.:Filmbegutachtung„Wäsche-Waschen-Wohlergehen“,März1934.
423 Ebd. 6.3 Bildungs-undWerbefilm 101
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Der österreichische Werbefilm
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Titel
- Der österreichische Werbefilm
- Untertitel
- Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Autor
- Karin Moser
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-062230-0
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 316
- Schlagwörter
- Culture of memory, media history, advertising
- Kategorie
- Kunst und Kultur