Seite - 149 - in Der österreichische Werbefilm - Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
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Gegensatz zu „staatlichen und halbamtlichen Stellen“ in der Lage, die entsprechende
QualitätderStreifenzugewährleisten.660
NeueKonkurrenz erwuchsdenKurzfilmproduzenten aber auchaufgrund tech-
nischer Entwicklungen. Der Schmalfilm fand etwa immermehrVerbreitung. Ama-
teureversuchtensichnichtnur inderHerstellungprivaterReisefilme,einigehatten
den Anspruch, ihre selbst erarbeiteten Fertigkeiten auch kommerziell zu nutzen.
VonLaienumgesetzteWerbefilmekamen immerhäufigerbeiMessen, inSchaufen-
stern oder bei Reklamevorträgen zum Einsatz.661 Die professionellen Produzenten
fordertendie heimischenBehördenauf, dafür Sorge zu tragen, dassnur Filmevon
gewerbeberechtigten Personen und Unternehmungen zur Zensur eingereicht und
somitöffentlichvorgeführtwerdendurften.AuchsolltederStaat einzigbefugte, er-
fahreneFilmherstellermitProduktionenbeauftragen.662
DasgrundlegendeProblemwarallerdings,dassesbislangkeineklareKonzessio-
nierung des (Kurz-)Filmgewerbes gab, da es sich bei der Filmerzeugung um ein
„freiesGewerbe“handelte.Bis zurGewerbesperre imApril 1933,die imZugederstei-
gendenArbeitslosenzahlendengroßenZuwachsanselbstständigGewerbetreibenden
unterbinden sollte, konnte jede und jeder einen Gewerbeschein zur Filmerzeugung
beantragen.663 Somit konntenauch imFilmschaffenbislangvölligUnerfahrenedem
Filmgewerbe nachgehen. Da die Erzeugung von Kurzfilmen ein weit geringeres fi-
nanzielles Risiko darstellte, bot dieser Zweig ein Versuchsterrain für Amateure. Die
Branchenvertreter dieser Produktionssparte verlangten in der Folge eine Konzessio-
nierungder Kurzfilmherstellung. 1936warmanmit dieser Forderung schließlich er-
folgreich. Die Kurzfilmerzeugung war fortan von einer Gewerbegenehmigung
abhängig, die de facto einer Konzessionierung gleichkam. Jeder Antragsteller hatte
sichvorabeinergenauenwirtschaftlichenundpersönlichenPrüfungzustellen.664
Der Verband der Kurzfilmhersteller und seine Mitglieder arbeiteten folglich mit
Nachdruck daran, die Etablierung neuer Konkurrenten zu unterbinden. Der Versuch
einzelner Laien, sich in der Kurzfilmbranche umAufträge undAnstellung zu bemü-
hen,wurde vondenBehördenwiederholtmit demHinweis zurückgewiesen, dass es
660 Ebd. sowie:Ktn.3483,Grz.95604–9/33,Gschz.96542–9/L/33,Ggstd.:Kommerzialrat Ing.Karl
Köfinger,Wien;Wünschebetr. ZwangsmaßnahmengegendieTobis,wegenBeschäftigunganderer
Kopieranstalten,26.April 1933.
661 ÖStA,AdR,BMHV,581c,Ktn.3591,Grz.94.409-WPA/35,Zl.98097,Ggstd.:SchreibenKöfingers
anLanske;PfuschertumbeiderSchmalfilmproduktion,3.April 1935.
662 Ebd. sowieKtn. 3591, Grz. 103631-WPA/35, Gschz. 107750-WPA/35, Ggstd.: Verbandder Kurz-
filmhersteller; Beschwerdewegen Beeinträchtigung durch staatliche Stellen. Beigelegt: Schreiben
KurzfilmherstelleranWienerMagistrat, 10.April 1935.
663 ÖStA,AdR,BMHV, 581c,Ktn. 3483,Grz. 95604–9/33,Gschz. 97128–9/L/33,Ggstd.: Lehr-, Pro-
paganda- undWochenschaufilmerzeuger. Denkschrift betr. Belebungder heimischenKurztonfilm-
Industrie, 22.April 1933.
664 Österreichische Film-Zeitung, „Konzessionierung der Kurzfilm-Herstellung“, Nr. 13, 27. März
1936,S.4. 8.3 VerbandderKurzfilmhersteller 149
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Der österreichische Werbefilm
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Titel
- Der österreichische Werbefilm
- Untertitel
- Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Autor
- Karin Moser
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-062230-0
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 316
- Schlagwörter
- Culture of memory, media history, advertising
- Kategorie
- Kunst und Kultur