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Der österreichische Werbefilm - Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
Seite - 162 -
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stehteinEsstisch,andemsichdaszentraleGeschehenderHandlungvollzieht.Links schließt ein Fenster mit Beistelltisch und Blumenvase den Rahmen ab. Im Hinter- grund ist links eine Sitzecke zu erahnen, rechts thront eine schwere Kommode, auf derKerzenleuchterundeinegoldeneStanduhrplatziert sind.KleineBilder sowieein Gemälde schmücken die Rückwand. Ein genau über dem Kopf der Hauptakteurin vonderDeckehängenderLeuchter definiert nicht nurdieMitteund somit dasZent- rumdesRaums,aufgrundseinernachobenstrebendenForm„krönt“erdieProtago- nistinundlässt siegrößererscheinen.DiediagonaleunddistanzierteAnordnungder beiden Frauen (Mutter Reisleitner steht, die Tochter sitzt) verdeutlicht ebenso die Machtverhältnisse (obenundunten)wiedieaufNiese zentrierte Lichtführung.Auch dieMenge des Sprechtextes unterstreicht die Dominanz des Schauspielstars. Beide Damensindgut situiert,modischgekleidet, jeweilsmitRockundBlusebzw.kurzär- meligem Strickpullover (Tochter) sowie Halsketten als Accessoire. Die Mutter trägt zudemeineschwarzeArbeitsschürzeüberderKleidung. ImZwiegespräch,dastatsächlichehereinemMonologvonFrauReisleitnergleich- kommt,wird die problematischeAusgangsposition sofort offengelegt. ImZugedieser „Unterhaltung“erfolgteinWechsel zuramerikanischenEinstellung,diedasSpielNie- ses visuell insZentrumrückt. TochterResimöchtedenBriefträgerKarl ehelichen.Die Mutter hat aber aus pragmatischen Gründen längst eine andereWahl getroffen. Im Greißler Wogurka hat sie den idealen Schwiegersohn gefunden: „Na, olso schee is a ned, aber er ist vermögendund außerdem is er einGreißler und kommtwia’swü, Greißler wird’s immer geben. Sie sind das Fundament des Staates.Wie das obamit denBriefträgernwird,wenndieG’schäftsleut eines Tages draufkommen, dass ihnen dievielenMahnbriefedonixnutzen,weujadokanazoilt,deswasmanatirlined.“ DieKomik liegthier sowohl im Inhalt als auch inderDarbietungdesGesagten. EinabsurdesSzenario isterdacht:Schuldner,dieaufMahnbriefenichtmehr reagie- ren, schaffendamitdenBerufsstanddesPostbotenab.Die tatsächlichprekärewirt- schaftliche Lagewird somit auf ein kabarettistisch-satirisches Niveau gehievt und letztlich entschärft. Das volkstümliche Spiel der Niese trägt dazu bei. In breitem WienerischundunterEinsatz ihresganzenKörpersgibtsieeinerealistische,boden- ständige, lebensnaheFrauausdemVolk.NurdieseLeichtigkeitmachtdienachfol- gende glückliche Wende und die Auflösung des familiären Konflikts ein Stück glaubwürdiger, als dies bei einer zu großenDramatisierungder tatsächlichenöko- nomischprekärenZeitenmöglichgewesenwäre. Tochter Resi versucht die Mutter zu ermuntern, doch zumindest einmal mit ihrem Favoriten Karl zu reden, was von der Adressierten abgeschmettert wird: „Duwillst vielleicht noch behaupten, dassma des große Losmit ihmgewonnen haben.“AufdiesesStichwortklopft esanderWohnungstür,dieKameraschwenkt nach rechts, einMannbetritt denRaum.Nunerfolgt die großeWende.DieHand- lung gleitet insMärchenhaft-Phantastische ab, auch die DarstellungNieses wird nun zusehends kabarettistisch überhöht. Der neue Protagonist stellt sich als ein Angestellterdes„BankhausesSchelhammerundSchatteraamStephansplatz“vor 162 8 DieWerbefilmproduzenten:Etablierung,Organisation,Einflusssphären
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Der österreichische Werbefilm Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
Titel
Der österreichische Werbefilm
Untertitel
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
Autor
Karin Moser
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-062230-0
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
316
Schlagwörter
Culture of memory, media history, advertising
Kategorie
Kunst und Kultur
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