Seite - 169 - in Der österreichische Werbefilm - Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
Bild der Seite - 169 -
Text der Seite - 169 -
Einfall, er greift sich an den Kopf, lächelt und schreitet weiter, der jungen Dame
neuerlichnach.
Der nachfolgende Zwischentitel „Jambo wartet auf Kunden“macht die Prob-
lemlösungbereits ersichtlich. Vor gleichbleibenderKulissewartet ein Schuhputzer
auf Kunden. Der schwarzeMannmit Fez entspricht in seiner visuellenUmsetzung
rassistischen Bildkonzeptionen: Sein Kopf ist überdimensioniert, ein breites –
ebensoviel zugroßgezeichnetes–Lächelndominiert seineErscheinung.Der „die-
nendeMohr“ sitzt undblickt denunterschiedlichstenPassanten (diese sindwiede-
rum nur ab dem Rumpf ersichtlich) grinsend nach. Niemand bleibt stehen. Er
vergräbt den Kopf in den Händen. Zwischentitel: „Heute will das Geschäft nicht
recht gehen.“Die Damemit Lorgnon geht an ihm vorbei, er bewegt nun entzückt
denKopfhinundher.DerVerehrer folgt,hält bei Jamboan.Letzterergreift sichan
dieStirn,klatscht schließlich tatkräftig indieHände.Zwischentitel:„Denwerde ich
als Reklame fürmich auf den Glanz herrichten.“ Jambo holt zwei Bürsten hervor
und putztmit Eifer zuerst den einen, dann den anderen Schuh blank. Der Kunde
beugt sichzu Jambohinunter, inhalbnaherEinstellungsgrößeblickensie einander
grinsend an. Die diagonale Anordnung – Jambo in der unteren, der Mann in der
oberen Position – bleibt erhalten. Jambo bekommt als Lohn ein Geldstück über-
reicht (seinGegenüber istnunwiederabdemRumpfersichtlich),erdankt.
Szenenwechsel:DieAngebetetehat auf einerParkbankPlatzgenommen. IhrBe-
wunderernähert sichmit verzerrtemGesichtund ingebeugterHaltung.Er setzt sich
gleichfallsaufdieBank,bewegt seinBein, immerwiederaufdie strahlendenSchuhe
hinweisend,zuihr.Ersprichtsiean,zeigtaufseineFüße.DieFraubleibt regungslos.
AufeinemZweig,direktüberdemKopfderDame, findet sicheinVogelpaarein,das
miteinaner schnäbelt.WährendderManndemTreibender beiden lächelnd zusieht,
fühlt sichdie Fraukeineswegs vondieser stimmungsvollenNaturszenerie inspiriert.
Der Verehrer blickt hinauf, saugt an seinem Finger, stimmt offenbar einen Ton an
undversuchtdieVögel zuanimieren.DieTiere zwitschern, eineskotet aufdasKleid
derDame.Der„Kavalier“ ist gleich zurStelleundsäubert denFleck,der sichpikan-
terweise auf dem Schoß der Frau unmittelbar unter ihrem Geschlecht ausgebreitet
hat.DerBannscheintgebrochen,manblicktund lächelt einanderan.Erergreiftdas
Wort, zeigt auf seine Schuhe. Sie folgt demBlick undwirft sich daraufhin in seine
Arme.DasUmschlingenseinesHalses,derGriffanihreHüfteundder imunteren lin-
kenBildrandangedeuteteKopfeinesKindsvermittelneinegroßeIntimität. Inwieweit
hier metaphorisch eine sexuelle Handlung angedeutet wird oder auch schlicht auf
eingeplantesweiteresLebenverwiesenwird,bleibtder InterpretationderZuschaue-
rinnenundZuschauer vorbehalten. Zwischentitel gebendarüber keinerlei Auskunft.
Arm inArm schreitet das Paar nun einher, umnochmals auf Jambo zu treffen. Der
Schuhputzer greift sich erstaunt an Mund und Kopf. Das Paar beugt sich herab.
Jambobringt durch seineGestik neuerlichdenGrund für dieses Liebesglück vor. Er
zeigt abwechselnd auf denMannundauf die Schuhe, umschließlich seine Putzbe-
wegungennachzuahmen.EswirdAbschiedgenommen.
8.4 Werbefilmproduzenten imPorträt 169
zurück zum
Buch Der österreichische Werbefilm - Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938"
Der österreichische Werbefilm
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Titel
- Der österreichische Werbefilm
- Untertitel
- Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Autor
- Karin Moser
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-062230-0
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 316
- Schlagwörter
- Culture of memory, media history, advertising
- Kategorie
- Kunst und Kultur