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Der österreichische Werbefilm - Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
Seite - 174 -
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einenahedemFeldgebauteKapelle,Bauersleute ziehenvorbei, vermitteln Impres- sionenausdemeinfachenLandleben. Die Zeile „Mattersburg, ein bedeutender Markt . . . “ leitet mit nachfolgendem Panoramaschwenk–ausgehendvomKirchturmüberHäuserzeilenbiszueinemLa- gerplatz,deran jenenderRoma-undSintifamilie erinnert–zumneuenSchauplatz über. Der ergänzende Zwischentitel „ . . .hat ein sehenswertes Ghetto“nimmt eine weitere Bevölkerungsgruppe des Burgenlandes in den Fokus. Straßenszenerien zeigenMänner auf demWeg zur Synagoge sowie eineGruppe vonBuben, die sich vordemGeschäftslokaleinesSchuhmachersnamensRosenbaumzusammenfinden. Die Jungen tragenAlltagsmützen oder Kippa und kommenoffenbar arrangiert vor derKamerazustehen.EineHalbtotalenimmtzwei eifriggestikulierendeBubenmit traditionell religiöser Kopfbedeckung in den Fokus – eine weitere inszenierte Szene.AbschließendeAufnahmen in einemHausgewölbewirkenebenfalls kompo- niert: Einmal ist die Kamera zwischen einem Durchgang positioniert. Eine alte Damewartet offenbar auf ein Zeichen, das sie zumLosgehenmotiviert. Daraufhin betritt eineweiterealteFraudieSzenerieundblicktkurz inRichtungdesObjektivs. DienächsteEinstellungzeigtAufnahmenvomZentrumdesHofs–einKind imPar- terredreht sichzumKameramannum,aufder erstenEtageblickeneinälteresPaar undein jungerMannindieTiefe. Gezielt setzt Köfinger hier auf die Montage unterschiedlicher Bevölkerungs- gruppen, Szenerien und Typen, um die Schaulust voranzutreiben, wobei er mit den textlichen Hinweisen auf „Zigeuner“ und das jüdische „Ghetto“ die „Ande- ren“ klar benennt, während die Menschen im Dorfidyll keiner Gruppenzuord- nung bedürfen. Was sie alle eint, ist die Einfachheit, die Schlichtheit ihres Lebens. Ein durchaus „armes“ Land, dessen Bevölkerung großteils bescheiden und vor allem von der Landwirtschaft lebt, präsentiert KREUZ UND QUER DURCHS BURGENLAND. Einzig in der Landeshauptstadt Eisenstadt und am Neusiedler See ist ein städtisches Treiben bzw. ein bürgerlich anmutendes Ambiente greifbar, wobei hier Einheimische und Besucher nicht immer klar voneinander zu tren- nen sind. Köfingers Filmschaffen zeugt von seinem Organisationstalent (wo und wann sindattraktiveSzenenzudrehen), seinemtechnischenWissenundseinervisuellen Vorstellungskraft (wie ist dieKamera richtig zupositionieren,wie ist dasLicht ein- zusetzenundwie arrangiertmanMenschenundObjekte), seiner Improvisationsfä- higkeit (dasErkennenvisuellansprechenderSzenenunddasFesthaltensolcherper Kamera) und seiner langjährigen Lehrtätigkeit (wie vermittle ich räumliches, stoff- liches oder technischesWissen anschaulich). Seine Arbeiten sindmehrheitlich so konzipiert,dassderenvielfältigerEinsatzalsWerbe-,Lehr-oderKulturfilmgewähr- leistet war. Dies war ein Grund für die weite Verbreitung und Bekanntheit seiner Produktionen. Zugleich wirkte dieses Konzept im Bereich desWerbefilmschaffens spätestens ab Mitte der 1930er-Jahre zunehmend veraltet. Ab diesem Zeitpunkt setztesichderKurzwerbefilmimmermehrdurch. 174 8 DieWerbefilmproduzenten:Etablierung,Organisation,Einflusssphären
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Der österreichische Werbefilm Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
Titel
Der österreichische Werbefilm
Untertitel
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
Autor
Karin Moser
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-062230-0
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
316
Schlagwörter
Culture of memory, media history, advertising
Kategorie
Kunst und Kultur
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