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Der österreichische Werbefilm - Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
Seite - 179 -
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seiner Frau zu vermeiden. Daraufhin rät ihm einer der Freunde, seiner Frau doch durch die Anschaffung von Gasgeräten eine Freude zumachen. Diverse Gasgeräte werdenpräsentiert,derOff-Kommentarerläutert:„FreudeundBequemlichkeitdurch die Gasgemeinschaft. Alle diese Geräte erhalten Sie gegen zinsfreie Teilzahlungen durch die Gasgemeinschaft beim Gaswerk und in allen Fachgeschäften, die dieses Zeichen tragen!“Das Signet der GasgemeinschaftWienwird eingeblendet. Auch in dieserProduktionvollzieht sichderWechselvomAlltagschwankzurWerbebotschaft holprig. Es könnte sichhierbei umeinenBlancofilmoder zumindest umeinGrund- konzept zu einem solchen gehandelt haben.785 Mit diesem grundsätzlichen Aufbau desSpotshätte ebensoeinParfümoderSchmuckstückbeworbenwerdenkönnen.786 Das imWerbefilmklassischangewandtePrinzipExposition–Komplikation–Auflö- sung–CodaundFolgerung787 fehlt indieDIEWUNDERNACHTgänzlich,beiALLENEUNE wirdes letztlichnichtbefriedigendaufgelöst. Zur zumindest glaubhaft angedeuteten positivenAuflösung–die Ehefrau ist beglückt über dieneuenGeräteund somit für geraumeZeit zumindestausgesöhnt (Coda/Folgerung)– fehlt es schlichtaneiner vi- suellen Aufbereitung des Versprochenen. Der Vorschlag des Freundes und der Off- Kommentarsinddazuschlichtnichtausreichend. Ein typisches Merkmal, das sich durch eine Vielzahl von Filmen der Firma Mayer zieht, ist der Hang, ein spezielles Lokalkolorit einzufangen. Das Produkt oder die Dienstleistungwird vor allem auf sprachlicher undmusikalischer Ebene mitOrten,MenschenundLandschaftenverbunden. ImZentrumstehendasWiene- rische Idiom sowie dasWienerMusikliedgut, sofern das zubewerbendeUnterneh- men inWien sesshaft ist.788 Alltagsszenerien– ob der allgemeine Bassenatratsch, Freizeitaktivitäten oderArbeitssituationen– gebenhier immerwieder denvertraut anmutendenRahmenab.789 EntsprechendeAdaptionen finden sichbei Filmen,die andersverorteteProdukteanpreisen. In 1000METERHÖHER (A 1937)werdenVorarlberger Landschaften, Folkloreund Lebensfreude zum zentralen emotionalen Drehpunkt. Der Filmtitel erscheint vor einer zeichnerisch stilisierten Fabriksanlage, wenn nicht sogar Industriestadt, mit rauchenden Schloten. Die Kamera schwenkt nach oben und kommentiert so letzt- lich dennachfolgendenTitel 1000METER HÖHER. Über der Industrieanlage erschei- nen weiße Bergwelten, die Fanfarenklänge gehen in Jodelgesänge über. Die 785 Vgl. dazu die Erläuterungen im Kapitel „Verband der Kurzfilmhersteller: Ausschaltung der Konkurrenz,SicherungvonEinflusssphären,Eigenwerbung“. 786 Viel ausgeklügelter gestaltet sichhingegenderAdiMayer FilmFLITTERWOCHEN, der gleichfalls fürdieWienerGasgemeinschaftwirbt.Siehedazu:http://stadtfilm-wien.at/film/29/ (2. Juli 2016). 787 Vgl. dazuHeiser,Drehbuch,S.82–86. 788 Neben demWiener Bohème-Quartett bietet bei denMayer-Filmen etwa auch der Sänger und Heurigenbetreiber Franz Schier seinKönnendar. Letzterer bewirbt dabei sein eigenesHeurigenlo- kal:EINWIENERHEURIGERLADETSIEEIN (A1938,L:28m). 789 Z.B.:DIELIEBENNACHBARN(A1936,L:90m),ALLENEUNE (A1938,L:42m),ERWEISSALLES (A1935, L:40m). 8.4 Werbefilmproduzenten imPorträt 179
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Der österreichische Werbefilm Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
Titel
Der österreichische Werbefilm
Untertitel
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
Autor
Karin Moser
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-062230-0
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
316
Schlagwörter
Culture of memory, media history, advertising
Kategorie
Kunst und Kultur
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