Seite - 180 - in Der österreichische Werbefilm - Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
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anschließenden,mehr als dreiMinuten dauernden Sequenzen vermitteln den Ein-
druck, es handle sich umeinen Tourismusfilm, der für denWinterskisport in Vor-
arlbergwirbt: Einmodernes Raupenfahrzeug bringt die Gäste direkt ins Skigebiet,
Sonnenliegen laden zumVerweilen ein, die ansprechende Landschaft (Berggipfel,
Alpenbäche)machtLustaufUrlaub imWestenÖsterreichs.DerOff-Kommentarver-
balisiert dasGezeigteund interpretiert es entsprechend:Von „herrlich erhebenden
Rundblicken“, vom„einzigartigenGipfelpanorama“undvonder„PrachtderAlpen-
welt“anden„weltbekanntenWintersportplätzenVorarlbergs“ istdieRede.
ImSchneetollendeVorarlbergerKindervermittelnLebensfreudeundstelleneine
erste Verbindung zwischenEinheimischenund Fremdenher. Skilehrer unterweisen
ihreerwachsenenSchützlinge,schließlichbrichtmanzueinerBergtourauf.DerAuf-
stiegführtanbeschaulichenPanoramablickenvorbei.Schließlichwerdendieschnee-
bedeckten jungfräulichen Hänge von den Skifahrern erobert. Die nachfolgenden
Szenen sindgekonnt schnittig inArnoldFanck-Manier gedreht.Der schnelle Schnitt
sowie der rasche Perspektivenwechsel (extremeAuf- undUntersicht–die Skifahrer
fahrenaufdieKamerazu)dynamisierendieSportaufnahmenundmachendieFreude
amSkifahrenspürbar.UnterstützendwirktdieunterlegteschwungvolleMusik.
Den Szenen- und Themenwechsel (beiMinute 2:37) leitet der daran anschlie-
ßende Folkloregesang ein. Eine Frau, amHang stehend,winktmit demSkistock,
um schließlich das Gelände gekonnt zu bezwingen. Diese kurze Unterbrechung,
der nochmals sportive Sprungaufnahmen folgen, deutet an, dass Frauennun ins
Zentrumdes Films gerücktwerden. Bei einer Rast nach demSkifahren sitztman
zusammen, eine junge Fraumusiziert (Ziehharmonika). EinKameraschwenkprä-
sentiert Frauen in sportlichen Trachtenmodellen.Man lacht, zeigt sich amüsiert,
raucht und flirtetmit zahlenmäßig stark unterlegenenMännern.NachdreiMinu-
ten und 15 Sekunden ist erstmals offenkundig, welche Produktgruppe be- und
welcheZielgruppeumworbenwird.„WeltbekanntwiedieseGegendsindauchdie
ErzeugnissederFirmaFranzM.Rhomberg“verkündetderOff-Kommentar.EinPa-
noramablick und eine Abblende beenden den touristisch anmutenden Teil des
Werbefilms.
Es folgt eine Sequenz, welche die Produkte des Unternehmens ins Zentrum
rückt. In einem rustikal eingerichteten Zimmer beobachtenwir zwei Frauen (halb-
naheAufnahme) in triangulärer Komposition:DieDunkelhaarige steht, die Blonde
sitzt, und dieHandlungsebene vollzieht sich zwischendenbeiden–und zwar am
Tisch, auf demder geöffnete Koffer platziert ist und die Aufmerksamkeit auf sich
zieht.DieAnkommendepackt einenPyjama,einenMorgenrockundschließlichein
„volksechtes Rhomberg-Dirndl“ (Off-Kommentar) aus, das sich „auch 1000Meter
höher größterBeliebtheit erfreut“. Die links sitzendeblondeFrau inTracht lächelt,
bestaunt jedes Kleidungsstück, um es schließlich zu berühren, die besondere
Aufmerksamkeit liegt letztlichbeimDirndl.DasBetastendesMaterialskommteiner
persönlichenGüteprüfunggleichund stellt eine emotionale, sensuelleVerbindung
180 8 DieWerbefilmproduzenten:Etablierung,Organisation,Einflusssphären
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Der österreichische Werbefilm
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Titel
- Der österreichische Werbefilm
- Untertitel
- Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Autor
- Karin Moser
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-062230-0
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 316
- Schlagwörter
- Culture of memory, media history, advertising
- Kategorie
- Kunst und Kultur