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9 Der„ideale“Werbefilm
9.1 VorführbedingungenundStilfragen
ImVerlauf der 1920er- und 1930er-Jahrewurde in den Film-, Kino-, Verkaufs- bzw.
MarketingfachblätterneineDiskussionüberden„idealenWerbefilm“geführt.Beson-
dersmit demAufkommendes Tonfilms fanddaswerbende Laufbild immer größere
Resonanz inder Fachpresse. Reklamefilmproduzenten,WerbefachleuteundKinobe-
treiber dachten über Stil, Einsatz und Vorführoptionen dieses neuenWerbemittels
nach. Dabei stand die Funktion des Films immerwieder imZentrum:Generell ging
mandavon aus, dass der Streifen Teil einer groß angelegtenKampagnewar, in der
unterschiedlicheWerbemittel zum Einsatz kamen.868 Der Erstkontakt erfolgte über
diePrintmedien.DerReklamefilmhatte– lautVerkaufspraxis– insbesonderedieAuf-
gabe,sicheinenMarkenartikelerneut inErinnerungzurufenundeinzuprägen.869
ImKinobereichwaren zudemoftmals kostengünstigere „sprechendeDias“ im
Gebrauch.DieProjektionvonLichtbildern,dieoptischeinemPlakatsujet entspra-
chen,wurdevon inhaltlichenErläuterungen–etwaperSchallplattenzuspielung–
und/oder Musik begleitet.870 Der Werbefachmann Hugo Fleischmann zog
allerdings denReklamefilmdemLichtbild eindeutig vor undbegründete dies fol-
gendermaßen: „Die Reklamebilder erscheinen nur einige Sekunden auf der Lein-
wand und sind daher in denmeisten Fällen unverständlich. [. . .] GrößerenWert
hatdas sichbewegendeBild,derWerbefilm,namentlichdann,wennerbelehren-
den Inhalts ist, und der Reklametrickfilm, der gewöhnlich aus einer lustigen und
spannendenHandlung besteht, während die eigentliche Reklame erst am Schlusse
zumVorscheinkommt.“871
VielerleiVorteilewollteman–sowohlseitensderKurzfilmherstelleralsauchsei-
tens derWerbefachkräfte– imReklamefilm erkennen. ImKino ergäbe sich eine ex-
zeptionelle Situation: Der abgedunkelte Raum verstärke die Konzentration auf die
Leinwand, sofern die Verdunkelung während des Werbeblocks auch eingehalten
wurde.872 Zudemwärehier „wiekaumanderswodieMöglichkeit gegeben, den Inte-
ressenten ineinen [sic!]Augenblickzupacken,woernicht vonanderenEindrücken
868 Verkaufspraxis, „DerWerbefilm imWerbeplan“, Nr. 1, Oktober 1932, S. 32–36.Contact, „Wer-
bung durch den Film“, Nr. 12, Dezember 1933, S. 17. Reklame-Presse, „Filmwerbung undWerbe-
film“,Nr. 2,September1936,S. 2.
869 Verkaufspraxis,„Filmwerbung imEinzelhandel“,Nr. 10, Juli 1935,S.595.
870 ÖsterreichischeFilm-Zeitung,„Das sprechendeDiapositiv“,Nr. 11, 12.März 1932, S. 5.Kinodias
und Reklamefilme wurden meist von einer Verleihfirma parallel vertrieben. Diese Unternehmen
hattenoftmals spezielleReklamepachtverträgemitKinobetriebenabgeschlossen.Vgl.: Forster,Ufa
undNordmark,S. 27.
871 Fleischmann,Wieerhöhe ich,S.95 f.
872 Vgl. dazudasKapitel„KinotheaterundReklamefilm:KritischeStimmenundLösungsansätze“.
OpenAccess.©2019KarinMoser,publiziert vonDeGruyter. DiesesWerk ist lizenziertunterder
CreativeCommonsAttribution4.0Lizenz.
https://doi.org/10.1515/9783110622300-009
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Der österreichische Werbefilm
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Titel
- Der österreichische Werbefilm
- Untertitel
- Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Autor
- Karin Moser
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-062230-0
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 316
- Schlagwörter
- Culture of memory, media history, advertising
- Kategorie
- Kunst und Kultur