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Der österreichische Werbefilm - Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
Seite - 209 -
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erfolgreicher Reklamefilm „losknallen“ sowie „raunende Bewegung, Kichern, Geflüster und Unruhe“ im Auditorium auslösen.Wirksamwäre einWerbefilm – seinerErfahrungnach–,wenner „vomAufbauklar, eindeutig, übersichtlichund ein wenig primitiv“ sei. „Besonders liebevoll“ gemachte Reklamestreifen, mit „einemSchuss Sentimentalität, Romantik oder gar von dramaturgisch-gelehrtem Aufbau [. . .] verpufften“ hingegen allzu leicht.892 Der praktische Kinofachmann wisseesgenau:„WenndernobelangezogeneHerrunvermutet ineineDunggrube fällt, oderwennderBösewichtmit der eisernenBratpfanneeinsüberdenDeez893 kriegt, dass die Funken sprühen, oder wenn der notorische Schwächling seinen überlegenen Gegner ein Beinchen stellt, dass dieser sich das Nasenbein bricht. Solche und ähnliche Situationen vermögen in ihrer Drastik undUnverfälschtheit unmittelbar anzuspringen und zu zünden, dass das Publikum vor Vergnügen wiehert, einerlei obUrahne,Großmutter,Mutter oderKind.“894DerBerlinerKino- unternehmer präsentierte letztlich noch ein Fünf-Punkte-Schema, das einen er- folgreichen Werbefilm (zumindest aus der Perspektive des Lichtspielbetreibers undseinerKundschaft) garantierensollte: 1. „Aufmerksamkeits-Erregung, einerlei ob optisch oder akustisch oder beides gleichzeitig. 2. Steigerung,scharfundrasch. 3. Darstellung der Kaufvorteile mit etwas knalliger Beweisführung, etwa auch unterEinfügungeinesdrastischenScherzes. 4. GegenüberstellungvongroßerLeistungundgeringemPreis. 5. Ganz ohneweiterenÜbergang in schneller Überraschungund Steigerung zum KernpunktdesAngebotes“895kommen. Die in den Fachblätternwiedergegebenen Stimmen zeugen von recht unterschied- lichenGeschmäckernundBegehrlichkeiten seitensderKurzfilmhersteller, derVer- kaufs- und Werbeleiter der Firmen, die sich insbesonders in der Verkaufspraxis finden, undder Kinobetreiber, die ihr Publikum imFokushatten. Besonders kont- rär erscheinen aber die Vorgaben des Berliner Lichtspielbetreibers angesichts der Richtlinien, die seitens der heimischen Werbeexperten für den österreichischen Markt ausgegebenwurden. Gerade einemarktschreierische Variante der Reklame, dasallzu„geräuschvolleundkeulenschwingende inSzenesetzeneinerPersonoder einer Leistung“, würde man im „Kunst- und Kulturland Österreich“ ablehnen. „Niveau“, „Gefühl“ und „kultivierte Zurschaustellung“müsse man auch bei der 892 Verkaufspraxis,„DerKinobesitzer sprichtüberdenWerbefilm“,Nr.6,März1933,S.369 f. 893 Anmerkung:mitteldeutsch,umgangssprachlich für„Schädel“. 894 Ebd. 895 Ebd. 9.1 VorführbedingungenundStilfragen 209
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Der österreichische Werbefilm Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
Titel
Der österreichische Werbefilm
Untertitel
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
Autor
Karin Moser
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-062230-0
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
316
Schlagwörter
Culture of memory, media history, advertising
Kategorie
Kunst und Kultur
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