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ImÖsterreichderZwischenkriegszeitarbeitetendieAnimationskünstlerbevorzugt
mitderLegetricktechnik,wobeidieangefertigtenundzugeschnittenenKartonfiguren
bzw. deren bewegliche Gliedmaßen vorsichtig, Bild für Bild, verschoben wurden.
EinemBericht aus einer Trickfilmwerkstatt zufolgehatte ein Zeichner für die präzise
Darstellung des Öffnens einer Schuhcremedose 141 Paar ausgeschnittene Hände
herstellenmüssen.932 ZumAbschlusswurdenGeräusch- undMusiksequenzengenau
gesetzt bzw. im Stummfilm an den jeweiligen Stellenmit Markern gekennzeichnet,
umdenMusikernundGeräuschemacherndenjeweiligenEinsatzvorzugeben.933
TrotzdesgroßenAufwandsderHerstellungbeteuertendieFachblätter stetsdie
recht geringenKostendesTrickfilms, imSpeziellen imVergleich zumSpieltonfilm.
GenaueZahlenwurden indenZeitungenabernichtgenannt.934Einzig ineinerNie-
derschrift aus dem Jahr 1932, anlässlich der Vorführung technischer Filme in der
FilmabteilungdesUnterrichtsministeriums, findet sich diesbezüglich einVermerk,
dereinandersBildzeigt. IndemProtokollwirddaraufhingewiesen,dassheimische
Firmenaufgrundder Kosten eine „geringeNeigung“hätten, „Trickfilmeherstellen
zu lassen“. Demnachwürde ein „normaler Film vier Schilling proMeter“ kosten,
ein„Trickfilm“hingegen„12bis 14SchillingproMeter“.935AufnochhöhereKosten
weisen deutsche Quellen hin, die Mitte der 1930er-Jahre für die Produktion eines
Zeichen- oder Puppentrickfilms mindestens 60 bis 100 Reichsmark pro Meter an
Kosten veranschlagen.936 Inwiefern die Vertreter der Filmbranche hier gezielt fal-
sche Angaben machten, um ihre Auftragslage zu sichern, kann aufgrund der zu
weniggesichertenVergleichszahlennurvermutetwerden.
GerneundausführlichpräsentiertendieBranchenblätter einzelneAnimations-
künstler undderenArbeiten, selbstwenndiesenur kurz inÖsterreich tätigwaren.
LouisSeel, eingebürtigerDeutscher,derab1915 indenUSAtätigwarundMitteder
1920er-Jahre auch eine Produktionsfirma inMünchen betrieb,machte 1925 halt in
Wien.937 ImFilmbotenwurdenmehrereProjektedesKünstlersangekündigt,u.a.ar-
beitete Seel aneiner Filmserie rundumdie „GrimmschenMärchen“ sowie aneiner
Zeichentrickreihe, inderbekannteKomikerwie „CharlieChaplin“,„Fatty“ (Anmer-
kung: Arbuckle), „Pat und Patachon“ oder „Jackie Coogan“ karikiert werden soll-
ten. DerWunschdes Journalisten,wonach „derKünstler unserer Stadt recht lange
932 Österr. Reklame, „Der Reklametonfilm“, Nr. 5, Mai 1930, S. 17. Beispiele zur Herstellung von
Silhouettenfilmen finden sich inÖsterreich nicht, trotzdemdie Technik bekanntwar und auch in
derFachpressebesprochenwurde. Siehe:DerFilmbote, „VonTrick- undSilhouettenfilmen“, Nr. 2,
12. Jänner 1924,S. 11 f.
933 Österr.Reklame,„DerReklametonfilm“,Nr. 5,Mai 1930,S. 17.
934 Ebd.sowieDasKino-Journal,„InderWerkstattdesTrickfilmzeichners“,Nr. 703, 1924,S. 2 f.
935 ÖStA,AVA,BMU,Unterricht-Allgemein (1848–1940),Volksbildung:Film, 1932,Ktn. 489,Fasz.
473, Gschz. 10760-II/10b, Ggstd.: Filmabteilung, Vorführung technischer Filme, 11. Vorführung,
1932,Notizvom5.Februar,AktenüberdieRichtlinien für Industrie-undWerbefilme,Februar1932.
936 Forster,UfaundNordmark,S.33.
937 Renoldner,AnimationsfilminÖsterreich– 1832,S. 59 f.
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Der österreichische Werbefilm
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Titel
- Der österreichische Werbefilm
- Untertitel
- Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Autor
- Karin Moser
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-062230-0
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 316
- Schlagwörter
- Culture of memory, media history, advertising
- Kategorie
- Kunst und Kultur