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ergreift denPinsel („UndSchmächtigmalt voll kühnen [sic!] Schwung– in freudigs-
terBegeisterung!“).DerKünstlerskizzierteinenBierkrugmitLorbeerumrandungund
Strahlenkranz.DiedoppelteVisualisierungdesbeworbenenProduktsunddessenak-
zentuiertePräsentation–einmal imVerhältniszugroßdargestellt,dasandereMal in
mythischem Arrangement dargeboten – in Verbindung mit appellativen Reimen
unterstreichen eine rhetorisch angelegte Überzeugungsstrategie auf der Bild- und
Tonebene.
In ähnlicher Bild-Text-Manier gestalten sich die beiden anderen Episoden.
Schon die Namen der Figuren tragenmitunter eine charakterisierende Bedeutung
in sich, gebendieRichtungderErzählungvorundhabeneineFunktion. Schmäch-
tig ist einehagereFigur, dermanNervosität zuschreibt.Herr Leberecht kämpftmit
Magenproblemen(undSchlafstörungen).DieFamilieSchnippemusstesichschlicht
auf„Grippe“ reimen.
EinzelnekörperlicheMerkmalewerdenbetont,umZuständeundderenVerände-
rungunmittelbar nachvollziehbar zumachen.DerBiergenusshat äußerlicheFolgen:
DieStirnfaltendesMalersverschwinden.Dieüberdimensionalunddunkel skizzierten
Nasen der Schnippes nehmenwieder eine normale Formund Farbe an. Leberechts
hagerer Kopf und seine schmale Gestalt werden zunehmend füllig. In kompakter
Formwerden die visuellen und sprachlichen Informationen verdeutlicht. Alles wird
einStückweitüberspitztdargebracht.Hiergilt,dassderhumoristischeStil eineunter
anderen Gegebenheiten aufdringlich erscheinendeWerbeanmutungmäßigt und im
SinnedermotivierendenFunktiondesLachenssogarzueinernachhaltigenVeranke-
rungimGedächtnisbeiträgt.
WerdieTrickfilmteile inHOPFENUNDMALZ,GOTTERHALT’Sgestaltethat, ist–wie
in so vielen Fällen–nicht bekannt. Im Stil erinnern die Zeichnungen aber an die
ArbeitendesGrafikersMaxFleischhacker.999WurdendieKünstlereigensausgewie-
sen, so hatten sie sich zumeist schon einen Namen in der Branche gemacht. Die
NennungderGestalterwarsomitaucheinGütezeichenundTeilderWerbung.
999 Siehe dazuBeispiele seinerArbeiten in:ÖsterreichischeReklame, „MaxFleischhacker“, Nr. 1,
1931,S. 16–18.
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Der österreichische Werbefilm
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Titel
- Der österreichische Werbefilm
- Untertitel
- Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Autor
- Karin Moser
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-062230-0
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 316
- Schlagwörter
- Culture of memory, media history, advertising
- Kategorie
- Kunst und Kultur