Seite - 242 - in Der österreichische Werbefilm - Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
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11 Schlussbetrachtungen
Die Genese des GenresWerbefilmwar bedingt durch ökonomische und politische
Prozesse sowie durchNeuerungen imBereich der Filmtechnik. In einemWechsel-
spiel suchten staatliche undprivateAuftraggeber, Kinobetreiber, Filmproduzenten
sowieAmateure imBereich Produktion undVorführung ihre jeweiligen Interessen
durchzusetzen. Die Konzeption undGestaltungdesMediums „Reklamefilm“ sowie
dessenAufführungsrahmenwurdendadurchgrundlegendbestimmt.
DieAkkumulationgroßerKapitalmengenundderZusammenschlussmarktdomi-
nierenderUnternehmengegenEndedes 19. Jahrhunderts sowie neueEnergieträger,
modernisierte Produktionsprozesse und erweiterte Transportoptionen ermöglichten
nicht nur die Massenfertigung vonWaren, auch potenziell neueMärkte eröffneten
sich.Absatzmaßnahmentraten immermehr indenFokusderWirtschaftstreibenden,
wodurch auch werbestrategische Ausrichtungen neu bewertet wurden. Eigens
eingerichtete innerbetriebliche Werbeabteilungen hatten sich der bestmöglichen
Vermarktung undBewerbungen derWaren zuwidmen. Nationalökonomenwie der
Österreicher ViktorMataja setzten sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts zunehmend
auchwissenschaftlichmitWerbewirkungsmechanismenauseinander.
Mit den 1920er-Jahren erlebte dieWerbebranche eineumfassendeProfessionali-
sierung, InternationalisierungundVerwissenschaftlichung. So zeichneten sich etwa
das„PsychologischeInstitut“derUniversitätWiensowiedie„ÖsterreichischeWerbe-
psychologische Forschungsstelle“ (ÖWPF) durch besonders innovative Ansätze und
Studien aus. Über die Initiative der Psychologen Charlotte undKarl Bühlerwurden
ersteUntersuchungenundVersuchsreihen zumThemaFilmdurchgeführt.MitHilfe
dieserbeidenForscherbegründetederSoziologePaulLazarsfeld 1931 schließlichmit
derÖWPFein fortschrittlichesMarktforschungsinstitut, dessenMitarbeiterstabunter
anderem den alltäglichenWarenverbrauch und das damit korrelierende Käuferver-
halten untersuchte. Eine 1933/34 durchgeführte Studie dieser Forschungsgruppe
widmete sich etwaderWirkung vonWerbemitteln,wobei der Kinoreklame einWir-
kungsgradvon21,9Prozentkonstatiertwurde.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts – als die neuen ökonomischen Vorausset-
zungen auch marketingtechnische Veränderungen einforderten – hielt parallel
dasMediumFilmEinzug in Europaund stieß auch inÖsterreich-Ungarn auf gro-
ßen Zuspruch. Schon in der Frühzeit der Kinematographie fanden sich im Pro-
gramm der fahrenden Schausteller Filme, die als Vorläufer des touristisch
motiviertenWerbefilms und des Industriewerbefilms zu werten sind. Unter dem
Sammelbegriff „Naturaufnahmen“ subsumierten die Wanderkinobetreiber unter
anderem Reisebilder aus aller Welt sowie Industriebilder, die Arbeits- und
Produktionsprozesse zeigten. Schonum1907/08unterstützten staatlicheBetriebe
sowie Fremdenverkehrsvereinigungen der Habsburgermonarchie vor allem die
HerstellungundVerbreitungentsprechender touristischerAufnahmen.
OpenAccess.©2019KarinMoser,publiziert vonDeGruyter. DiesesWerk ist lizenziertunterder
CreativeCommonsAttribution4.0Lizenz.
https://doi.org/10.1515/9783110622300-011
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Der österreichische Werbefilm
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Titel
- Der österreichische Werbefilm
- Untertitel
- Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Autor
- Karin Moser
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-062230-0
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 316
- Schlagwörter
- Culture of memory, media history, advertising
- Kategorie
- Kunst und Kultur