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Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
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gestaltenmögen–daseine ist sicher,dassStaatundGesellschaftvorganzneue Aufgaben gestellt, dass ungeheure volkswirtschaftliche, soziale, organisatori- sche Probleme zu lösen seinwerdenund dass zu derenBewältigung die Frei- machung und Entwicklung aller in der Bevölkerung vorhandenen geistigen Kräfte erforderlich ist.«128 Dieser Antrag entfaltete ebensowenigWirkung wie die vorhergegangenen und auchwie jener desBundes österreichischer Frauenvereine. Letzterer hatte sichandenAkademischenSenatderUniversitätWiengewandt,der jedochden Beschluss fasste, dass die Zulassung der Frauen gerade zu diesem Zeitpunkt äußerst ungeeignetwäre,weil sie dieunterWaffen stehendenmännlichenStu- dierenden benachteiligen würde. Entsprechend zynisch kommentierte die FrauenrechtlerinLeopoldineKulkainneunPunkten,warumeswohlunpassend sei: »1. haben sich die Frauen während des Krieges auf allen Gebieten als überflüssig und unbrauchbar erwiesen.2. Dürfte nach dem Krieg Staat und Volkswirtschaft für keinerleiKräfteVerwendunghaben.3.Wird einÜberfluss anMännerndasein,wienievorher. 4.SindderzeitdieHörsälemitmännlichen Hörern soüberfüllt, dass fürweibliche keinPlatz gemachtwerdenkann.5. Ist dieExistenzallerMädchenundFraueninZukunftsogesichertwienochnie, so dass esganzverfehlt erscheint, ihnenneueBerufe zueröffnen […]«etc.129 Tatsächlichwaren Frauen in den Jahren des ErstenWeltkriegs an derUni- versität, also an der Philosophischen undMedizinischen Fakultät, verhältnis- mäßigstarkpräsent,weileinGroßteildermännlichenStudenteneingerücktwar. Dies weckte dieMissgunst jener, die durch denKriegsdienst ihre Ausbildung unterbrechenmussten,undwarhinsichtlichderallgemeinenStimmungeinem neuerlichenAntragansUnterrichtsministeriumnichtgeradezuträglich.Gegner derFakultätsöffnungwieHermannReitzer, Jurist imKriegsministerium,sahen in den Bildungsbestrebungen der Frauen nämlich »eine ernste Gefahr für die Universitätshörer im Soldatenrock« in Hinblick auf deren Karrierechancen. Denn Frauen würden sich »vielfach nur ein Taschengeld verdienen wollen«, daher als Lohndrückerinnen auftreten und somit denKriegsheimkehrern das Leben erschweren. Reitzer zog im Jänner 1918 unter dieDebatte den Schluss- strich:»DieMännerfrageist jetztwichtigerundaktuelleralsdieFrauenfrage«.130 DieserGegnerschaft entsprechendwardasMinisteriumbereitsdamitbeschäf- tigt,eineandereIdeeaufzugreifen,dieAntwortaufgleichzweiKriegswirkungen geben sollte, ohne das Jusstudiumpreiszugeben: nämlich auf die Bildungsbe- strebungenderFrauenundaufdie fehlenden internationalenAllianzenÖster- reich-Ungarns. 128 Ebd.6. 129 Kulka,Notiz66. 130 Reitzer,Rechtsakademie fürFrauen27. DasStudiumderRechtswissenschaften164
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Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Titel
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Autoren
Thomas Olechowski
Tamara Ehs
Kamila Staudigl-Ciechowicz
Verlag
V&R unipress GmbH
Datum
2014
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-89971-985-7
Abmessungen
15.5 x 23.2 cm
Seiten
838
Kategorie
Recht und Politik
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