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Anciennität folgend auf ihn hätte fallenmüssen, wurde Jörs übersprungen –
vermutlichausRücksichtaufseineschwacheGesundheit.SeitFebruar1919war
Jörs korrespondierendesMitglied derAkademie derWissenschaften inWien,
1923wurdeer aufVorschlagWlassaks zumwirklichenMitgliedgewählt.42
InderLehrebotJörsvorallemdieHauptvorlesungensowohlzurEinführung
in das heutige Privatrecht auf römischer Grundlage, als auch die Römische
Rechtsgeschichte an. Daneben hielt er als Verfechter der Pflichtübungen ro-
manistische Übungen und Seminare ab. In den Seminaren legte er den
Schwerpunkt auf die römische und griechische Rechtskunde, er bot diese re-
gelmäßigmitSchönbaueran.
Zu seinen Hauptwerken gehört die prosopographische Arbeit »Römische
Rechtswissenschaft zur Zeit der Republik« aus 1888.Weiters verfasste Jörs 55
Artikel für die Realenzyklopädie von Pauly/Wissowa – als »wertvollste« be-
zeichneteWlassakdieArtikelzuUlpianundzudenDigestenwerken.43Ebenfalls
in einem enzyklopädischenWerk erschien Jörs’ Abriss zu den Quellen, dem
SystemundderGeschichtedesrömischenRechts.44Auf120Seitenverstanderes,
dasWesentlichezusammenzufassen–alsVorzügedieserSchriftnenntWlassak:
»so ist nebenderTreffsicherheit inderAuswahldesWesentlichendieKlarheit,
die Schärfe und Gedrängtheit des Ausdrucks anzuführen. Wenn Felix Dahn
einemgelehrtenSchriftstellerhohesLobspendenwollte,sopflegteerscherzend
zusagen:derMannschreibtmit Jörsin.«451925/26erschiendieserAbrissnach
einerÜberarbeitung in der Rechtsenzyklopädie von Kohlrausch-Kaskel, den
Druck desManuskripts hat Jörs nicht mehr erlebt – dasWerk wurde in den
folgenden JahrenvonWenger undWolfgangKunkel bearbeitet undherausge-
geben. Einen Schwerpunkt seiner Forschungsarbeit stellte auch das römische
Eherechtdar,mitdessenEntwicklunger sichbereits inseinerDissertationund
Habilitationbeschäftigte–dieseSchriften legtenauchdieGrundlagefürseinen
Festschriftsbeitrag für Theodor Mommsen 1894.46 In seinerWiener Zeit be-
schäftigte sich Jörs verstärkt mit Papyrologie, hat er doch lautWlassak »die
Verpflichtung papyrologische Übungen abzuhalten« übernommen.47 Seine
Forschungenverwertete Jörs in einigenAufsätzen, die er inderZeitschrift der
Savigny-Stiftung fürRechtsgeschichtepublizierte.48
Paul JörswarseitMärz1889mitEllyBackhausverheiratet.Dergemeinsame
42 AÖAW,Wahlen1919–1936, 1923.
43 Wlassak,Nachruf aufPaul Jörs 250.
44 Jörs,Das römischeRecht.
45 Wlassak,Nachruf aufPaul Jörs 253.
46 Jörs,DieEhegesetzedesAugustus.
47 Wlassak,Nachruf aufPaul Jörs 253.
48 Jörs,Dglos_ysirund 1jlaqt}qgsir; Jörs, ErzrichterundChrematisten.
RömischesRecht 269
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik