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Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
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kennung. Erhatte keineFeinde. Er hängte denMantel nicht nachdemWinde, aber er lebtemit derWelt inFrieden, soweit es ebenging«, erinnerte sich sein FachkollegeAdalbertErlerspäter.320Istesgerechtfertigt,ausdiesenWorteneine gewisseAmbivalenzMitteis’ inpolitischenDingen zuvermuten? Jedenfalls ist seineHaltung gegenüber demNS-Regime nur schwer zuwürdigen: Dennder Rechtshistoriker, derdieEtablierungdesParlamentarismus inDeutschlandals »überstürzt« bezeichnet unddenVersaillerVertrag bei einerVeranstaltung in derHeidelberger Stadthalle 1929 scharf verurteilt hatte,321profitierte 1933 zu- nächstvonderGleichschaltungderUniversitätHeidelberg,indemerzumneuen Dekan ihrer juristischenFakultätbestelltwurde.322Schonbaldabergeriet er in Konflikt mit dem ebenfalls neu bestellten Rektor Wilhelm Groh, wobei der Umstand, dassMitteis weiter »Kontakt mit Juden« (womit wohl v.a. Mitteis’ Amtsvorgänger Ernst Levy gemeint war) pflegte, ein wesentlicher Grund ge- wesenseindürfte.BeieinemTelefonatzwischenMitteisundGroheskaliertedie Situation;GrohbezeichneteMitteis später als »anmaßend«understattetedem Ministerium Bericht, worauf Mitteis schon am 1.November 1933, nach nur einemMonat Amtszeit, als Dekan wieder abgesetzt wurde.323Mitteis verließ daraufhinHeidelberg, wo er zehn Jahre gelehrt hatte, und nahmmit 1.April 1934einenRufderUniversitätMünchenan,woseineSchwierigkeitenmitdem NS-Regime immermehr zunahmen. Antinationalsozialistische Studenten ver- suchten,Mitteis zu helfen, womit sich seine Lage nur nochweiter verschlim- merte. »Er war nun sehr verärgert und ließ sich also für dieWr. Universität gewinnen«, berichtete später, nach dem »Anschluß«, Gleispach über seinen KollegenMitteis.»Dieoesterr. ›System‹-RegierungwarlebhaftbemühtimReich unzufriedeneGelehrte fürOesterreichzugewinnen.DieVerhandlungenmitM. sollen vonWien aus über die Schweiz streng geheim geführt worden sein.«324 Tatsächlich befand sichMitteis zu jener Zeit in St. Gallen, undder zuständige Referent im österreichischen Unterrichtsministerium erinnerte an die »Un- tunlichkeit eines unmittelbaren Verkehres mit den reichsdeutschen Unter- richtsbehörden«.325Nachdem allerdings BundespräsidentMiklas am 19.März 1935 die ErnennungMitteis’ vorgenommen hatte,326machten die reichsdeut- 320 Erler,Mitteis 615. 321 Mitteis, ZehnJahre! 322 DasFolgendenachBrun,Mitteis 81 ff;Olechowski,Rechtsgermanistik86 ff. 323 Brun,Mitteis 108;Olechowski,Rechtsgermanistik87. 324 HandschriftlicherBerichtvonWenzeslausGleispach(undatiert, vermutlichAugust1938), ÖStAAdR,BMI,GauaktNr. 1840 (HeinrichMitteis). 325 HeinrichMitteis, Schreiben andas BMUvom2.3.1935 und vom3.3.1935 (mit Absend- eradresseSt.Gallen),sowieReferententwurfzuBMUEvom11.3.1935Z7256-I/1935,allein: ÖStAAVA,UnterrichtAllg.,Univ.Wien,Karton608,DeutschesRecht. 326 BMUEvom27.3.1935,Z953/I/1/1935, in:ÖStAAVA,UnterrichtAllg.,Univ.Wien,Karton 612,PersonalaktMitteisHeinrich. DeutschesRechtundÖsterreichischeReichsgeschichte 313
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Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Titel
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Autoren
Thomas Olechowski
Tamara Ehs
Kamila Staudigl-Ciechowicz
Verlag
V&R unipress GmbH
Datum
2014
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-89971-985-7
Abmessungen
15.5 x 23.2 cm
Seiten
838
Kategorie
Recht und Politik
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Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938