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SchülerKöstler alsNachfolger gesehen, da er ihm»sehr ansHerz gewachsen«
war. JedochhoffteHörmannauch,dasserKöstleralsHilfskraftnachInnsbruck
holenkönne.375
Bereits 1909 erkundigte sich Köstler bezüglich einerÜbertragung seiner
LehrbefugnisandieWienerFakultätundschriebinseinemBriefanUlrichStutz:
»auch Schwind, der ›allzustrenge‹, versprachmir, gegen dieÜbertragung der
venia für deutsches Recht keinen Einwand zu erhebenundmir keine Schwie-
rigkeiten zumachen.Dasselbe sagtenmirVoltelini undSigmundAdler zu.«376
Unterstützung inseinenBestrebungenerfuhrKöstlerdurchHussarek.377Durch
dieErnennungHussarekszumUnterrichtsminister1911musstedieSupplierung
derWienerLehrkanzel fürKirchenrechtneugeregeltwerden.NachdemKöstler
imSommersemester1912nocheinigeVorlesungenbeiOttovonGierkeundKarl
Zeumer inBerlin besucht hatte,378wurde er imOktober 1912mit der Supplie-
rung inWienbeauftragt und inCzernowitz imNovember 1912 zumaußeror-
dentlichen Professor adpersonamernannt.379Dieser Ernennungwaren einige
Schwierigkeiten vorangegangen, so erinnerte sich Köstler 1941: »Als im Jahr
1912 […] seine [Hussareks]Lehrkanzel freiwurde, stand fürdieWiederbeset-
zungauchmeinePerson inErörterung. Ichwurde aberdamals für einWiener
Ordinariatnochfürzujungerachtet.MankamdaheraufdenAusweg,michzum
ao.Professor inCzernowitz zu ernennenundmit der SupplierungderWiener
Lehrkanzel zubetrauen.Da sichdieErnennungdamals jedoch infolgeUnpäß-
lichkeit des Kaisers hinausschob, wurde ich noch als Privatdozent zur Sup-
plierungnachWienberufen,alsbaldaber(10.November1912)zumao.Prof.ad
personam in Czernowitz und im folgenden Jahre (31.August 1913) zum ao.
Professor inWien ernannt.«380Zu seinemWechsel an dieWiener Universität
schriebKöstler 1951, also zehn Jahre später: »Sowar ichunvermittelt vonder
kleinstenUniversität anderöstlichenReichsgrenze andie größte imZentrum
des damals noch großenÖsterreichs gekommen, ohnemein Zutunund ohne
mein Verlangen.Mir schwebte immer eine kleinere Universität, vornehmlich
Graz, als das akademischeEldoradovor.Wien fürchtete ichwegender starken
Inanspruchnahme durch Lehramt und Verwaltungstätigkeit, so daß für wis-
senschaftliche Betätigung wenig übrigbliebe.«381Am 29.Oktober 1920 wurde
ihmderTitelundCharaktereinesordentlichenProfessorsverliehen,am2.Mai
375 BriefHörmannsanStutzvom26.11. 1908,Grass,RudolfKöstlerundUlrichStutz245 f.
376 BriefKöstlersvom9.12. 1909, vgl.Grass,RudolfKöstlerundUlrichStutz245.
377 Vgl. dazuGrass,RudolfKöstlerundUlrichStutz252–259.
378 Schima, Flüchtling–Mitläufer–Überzeugungstäter? 119.
379 Lebenslauf vom21.7. 1945,UAW, JPA341 (RudolfKöstler), 061.
380 Lebenslauf,AÖAW,PersonalaktRudolfKöstler.
381 Köstler, Selbstdarstellung95 f.
Kirchenrecht 323
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik