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verfahrenwurdenSchwindundScheyeingesetzt.NachderProbevorlesungüber
›Zeugnis und Parteieid im altnorwegischenGerichtsverfahren‹ wurde ihm im
März 1905 die venia docendi zugesprochen.132 ImAugust 1911wurdeBartsch
der Titel eines ao. Professors verliehen.133 Im gleichen Jahr erfolgte auch die
Ausweitung seiner Lehrbefugnis auf dasGebiet des österreichischen bürgerli-
chenRechts.1341918wurdeBartschderTitel eineso.Professorsverliehen.Nach
seinerHabilitierungwurdeBartschzwaraneinigenUniversitäten(Czernowitz,
Jena, Innsbruck,Prag)beiBerufungsvorschlägen inErwägunggezogen, jedoch
letztenEndsnichtberufen.135 (ZuseinenChancenanderWienerFakultät 1924
siehebereitsobenbeiPiskoundWalker.)
Neben seinerLehrtätigkeit anderUniversitätWienwarBartsch seitAnfang
1908 als Professor anderKonsularakademie tätig,wo er eine enzyklopädische
EinführungindieRechtswissenschaftenundVorlesungenzumösterreichischen
und ungarischen Zivilrecht vortrug. Auch an der Hochschule fürWelthandel
hielt Bartsch seit 1921 Vorlesungen,136 nach 1938 auch an diversen Verwal-
tungsakademien.EinewichtigeRolleinseinemLebensollteFranzKleinspielen:
Bartschbesuchte bereitswährend seiner Studienzeit dessenLehrveranstaltun-
gen–»Kleinhatmich imGedächtnisbehalten. […]Erberiefmich1906 indas
von ihm geleitete Justizministerium und gabmir dort manche bedeutendere
Arbeit,ohnesichjedochpersönlichummichzukümmern.«137Bartschbliebbis
1917 imJustizministeriumundwechselndeanschließend indasSozialministe-
rium. Während dieser Jahre beschäftigte er sich intensiv mit Theaterrecht,
Konkursrecht, Insolvenzrechtundmit Jugendfürsorge.Aus seinenVorarbeiten
zumTheaterrecht resultierte das spätere Schauspielergesetz,138weiters war er
maßgeblich anderKonkursreform1914beteiligt. Er forcierte denAusbauder
Jugendfürsorge: Sowurden auf seinBestrebenhin in denmeistenBundeslän-
dern Landesjugendämter gegründet. Gemeinsammit Rudolf Pollak undAlex-
ander Löffler verfasste Bartsch einenKommentar zum Insolvenzrecht, dessen
Lieferungen 1916 und 1917 erschienen. Auch in späteren Jahren beschäftigte
sich Bartsch mit dem Insolvenzrecht, verfasste Beiträge und hielt Vorträge
hierzu. Als 1929 die Angleichung des österreichischen und deutschen Insol-
venzrechts in Angriff genommenwurde, wurden in die dafür gebildete Kom-
132 Schreiben des Dekans an das KUMvom 23.3. 1905,ÖStA AVA, Unterricht Allg., Univ.
Wien,Karton609,PersonalaktBartschRobert.
133 KonzeptsbogenzumKUME37547/1911,ÖStAAVA,UnterrichtAllg.,Univ.Wien,Karton
609,PersonalaktBartschRobert.
134 Schreiben desDekans an das KUMvom15.12. 1911,ÖStAAVA,Unterricht Allg., Univ.
Wien,Karton609,PersonalaktBartschRobert.
135 Bartsch, Selbstdarstellung27.
136 Schartner, Staatsrechtler 154Fn.392.
137 Bartsch, Selbstdarstellung23.
138 BG13.7. 1922StGBl. 441/1922überdenBühnendienstvertrag (Schauspielergesetz).
Privatrecht 367
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik