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Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
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seinem»Dante« schrieb, war sein Interesse für Rechtstheoriewach geworden, underbeganneinegroßangelegteSchrift, inderer»diewichtigstenProbleme derStaatsrechtslehre«(undnichtetwanureinesvonihnen)untersuchenwollte; namentlich waren es die Probleme »der juristischen Person, des subjektiven Rechts, und insbesondere der Begriff des Rechtssatzes«, die ihn »in zuneh- mendenMasse zu interessieren« begannen. »Wasmir an der ueblichen Dar- stellung dieser Probleme auffiel, war der voellige Mangel an Exaktheit und systematischer Grundlegung; vor allem aber eine heillose Konfusion der Fra- gestellung, die permanente Vermengung dessenwas positives [Recht] ist mit demwas – von irgendeinemWertstandpunkt –Recht sein sollte auf der einen Seite,unddieVerwischungderGrenzezwischenderFrage,wiesichdieSubjekte vonpositivenRechtswegenverhalten sollen, undder Frage,wie sie sich tatsa- echlich verhalten. Die scharfe Trennung einer Theorie des positiven Rechtes einerseits von der Ethik, andrerseits von der Soziologie, schienmir dringend geboten.«48 DieseSätze,1947geschrieben,enthaltenbereitseineersteKritikanBernatzik, derdochbereitsdasProblemder juristischenPersonmonographischbehandelt hatte.Dies ist keinZufall; vielmehrmacht dieAutobiographie anvielen Stellen deutlich,wiesehrKelsenursprünglichgehoffthatte, inBernatzik,derseineerste Schrift zumDruckangenommenhatte,einenFörderergefundenzuhaben,dann aber indieserHoffnungenttäuschtwurde.DieGründedafür schriebKelsenvor allemdenstarkenantisemitischenStrömungenanderFakultätzu,wenngleicher auchBernatzikattestiert,keinAntisemitgewesenzusein, jedochFurchtvorden antisemitischenKollegengehabtzuhaben–Beobachtungen,diesichmitanderen durchaus decken. Am 18.Mai 1906 promovierte Kelsen und begann mit der Rechtsanwaltsausbildung; als er jedocheinStipendiumderUniversitätWiener- hielt, reisteer imWS1907/08nachHeidelberg,umdortdasSeminarJellinekszu besuchen.Kelsenberichtet,dasservonderpersönlichenBegegnungmit Jellinek enttäuscht war und rasch merkte, dass der Seminarbesuch für seine wissen- schaftlicheArbeitnichtsbringe;dennochkehrteer imWS1908/09nocheinmal nach Heidelberg zurück; 1910 folgte ein Aufenthalt in Berlin, wo er Gerhard Anschütz,möglicherweise auchGeorgSimmel, hörte. ZudiesemZeitpunktwar Kelsensmaterielle Existenz auch gesichert, da er seit dem1. Juli 1908 eineAn- stellungamk.k.Handelsmuseumbzw.anderdiesemangegliedertenExportaka- demie hatte und dort ab demWintersemester 1909/10 auchVorlesungen hielt. DieseTätigkeit erlaubte es ihm,dieArbeit an seiner–nachdemGesagtenwohl schon1905begonnenen–Habilitationsschrift zügig fortzusetzen;am6.Februar 1911 reichte er seinHabilitationsgesuch für die Fächer allgemeines und öster- reichischesStaatsrecht,RechtsphilosophieundderenGeschichteein. 48 Kelsen,Autobiographie36. AllgemeinesundösterreichischesStaatsrecht 475
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Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Titel
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Autoren
Thomas Olechowski
Tamara Ehs
Kamila Staudigl-Ciechowicz
Verlag
V&R unipress GmbH
Datum
2014
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-89971-985-7
Abmessungen
15.5 x 23.2 cm
Seiten
838
Kategorie
Recht und Politik
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