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Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
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eingezogen, sichmitGeschickundGlückzumpersönlichenBeraterdes letzten k.u.k. Kriegsministers Rudolf Stöger-Steiner emporgearbeitet, und dieser war mitKelsens Leistungen sichtlich zufrieden,weshalb er seinenEinfluss geltend machte,damit anderRechts-undStaatswissenschaftlichenFakultät eineStelle als außerordentlicherProfessor füröffentlichesRecht,mit besondererBerück- sichtigungdesMilitärrechtsundderRechtsphilosophie–alsowiegeschaffenfür Kelsen – eingerichtet wurde. EinVersuch des Innsbrucker Privatdozenten für Militärstrafprozessrecht, Albin Freiherr Schager von Eckartsau, der »in der Militaerkanzlei Kaiser Karls einen erheblichen Einfluss auf den Monarchen ausuebte«, sichumdiese Stelle zu bewerben,wurde von Stöger-Steiner unter- bunden.55Aber auch von der Fakultät kamWiderstand: Der Rechtshistoriker Ernst v. Schwind, derdem fünfköpfigenBesetzungskomit¦e angehörte, sprach sich gegen die Ernennung Kelsens aus, und verfasste, nachdem die übrigen Mitglieder (Bernatzik,Menzel, der Zivilprozessualist Sperl sowie Voltelini als Dekan)fürKelsenvotierthatten,einMinoritätsgutachten,inwelchemerKelsens SchrifteneinerscharfenKritikunterzog:»WiederholthatmandenEindruckals lehnteKelsenängstlichjedenBlickinsHistorischeab,weildadieUnmöglichkeit seiner Auffassungen an der Macht der Tatsache sogleich klar hervortreten würde.Wer könnte sichunterHinblick auf dieGeschichte auchnur für einen Augenblick einenStaat ohneHerrschaft, ohneUeber- undUnterordnungden- ken?« Aber auch abseits seines eigenen Faches, der Rechtsgeschichte, hielt SchwindKelsensKonzeptiondesRechtes als vonGrundauf verfehlt; ja, sie sei »destruktiv und zersetzend« sowie »jede Achtung vor dempositiven Rechte« untergrabend,wasSchwind»alsernsteGefahrfürdieZukunftunsererJuristen« ansah.56 Doch hatten die Bemühungen Schwinds keinen Erfolg: Mit aller- höchsterEntschließungvom8. Juli 1918wurdeHansKelsenzumao.Professor anderUniversitätWienernannt.57 Bis Ende Oktober 1918 war Kelsen noch für das k.u.k. Kriegsministerium tätig; abNovember 1918 arbeitete er nebenamtlich fürdie deutschösterreichi- 55 Schreibendesk.u.k.Kriegsministersandask.k.Unterrichtsministeriumvom25.4.1918, in: ÖStAAVA,UnterichtAllg.,Univ.Wien,Karton607;vgl.auchKelsen,Autobiographie47,55. 56 SeparatvotumvonErnstSchwindvom11.3. 1918,ÖStAAVA,UnterrichtAllg.,Univ.Wien, Karton610,PersonalaktHerrnrittRudolf. 57 A.h.Entschließungvom8.7. 1918,angefügtandena.u.Vortragvom25.6. 1918,ÖStAAVA, UnterrichtAllg.,Univ.Wien,Karton612,PersonalaktPiskoOskar,Z23478/1918.Unrichtig daher die Jahreszahl 1917 inKelsen, Autobiographie 18=HKWI, 55, die auch in vielen anderen Schriften aufscheint (z.B. Métall, Kelsen 17). – Aus demselben Akt ist ferner ersichtlich, dassKelsenauchErstgereihter für eineBesetzungsvorschlaganderUniversität Czernowitzwar;daerandieUniversitätWienberufenwurde,wurdefürCzernowitzLeonid Pitamic ernannt; infolge derKriegsereignisse konnte dieser seinAmt jedoch niemals an- treten. Vielmehr war er ab 1918 als Politiker bzw. Diplomat für das neu gegründete Kö- nigreich der Serben, Kroatenund Slowenen tätig; 1935–1952 lehrte er an derUniversität Ljubljana.Vgl. zu ihmPavcˇnik, LeonidPitamic. AllgemeinesundösterreichischesStaatsrecht 477
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Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Titel
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Autoren
Thomas Olechowski
Tamara Ehs
Kamila Staudigl-Ciechowicz
Verlag
V&R unipress GmbH
Datum
2014
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-89971-985-7
Abmessungen
15.5 x 23.2 cm
Seiten
838
Kategorie
Recht und Politik
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