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Zeit zurücklegte, umsich ganz seinenwissenschaftlichenArbeitenwidmenzu
können«,264wasdarauf schließen lässt, dassStrisowerkeinemateriellenSorgen
hatte.Erst1901erfolgteaufVorschlagvonLammaschdieErnennungStrisowers
zumao.Professor für InternationalesPrivatrechtanderUniversitätWien;1909
wurde ihmder Titel eines o. Professors verliehen, 1912wurde seine außeror-
dentlicheProfessuraufVölkerrecht ausgedehnt.265
Verdroß beschrieb Strisower als »eine zurückgezogene und bescheidene
Persönlichkeit, die wohl das Getriebe dieserWelt mit dem größten Interesse
verfolgthat,selbstaberihrenKämpfenundLeidenschaftenferngebliebenist.«266
Damit wäre es allerdings erklärbar, dass der als »edel, vornehm und gütig,
scharfsinnig, geistvollundgelehrt«Bezeichnete inden folgendenJahrenweder
inWiennochauswärts einenLehrstuhl erlangte,obwohler sowohl inLehreals
auchForschungungemeinproduktivwar.InGrünhutsZeitschrifterschien1884
ein umfangreicher Artikel über »Die Donaufrage«; für das Österreichische
Staatswörterbuch verfasste er Artikel zuDonau undElbe, zu Exterritorialität,
Konsulargerichtsbarkeit, Kontrebande und andere; für die Festschrift zur
JahrhundertfeierdesABGB1911verfassteereinenAufsatzüberdie»persönliche
Fähigkeit« im Internationalen Privatrecht. SeineVorlesungen umfassten nicht
nur das Völkerrecht, das Internationale Privatrecht und das Internationale
Strafrecht, sondern auchdieGeschichtederRechtsphilosophie –welchenEin-
flussgeradedieseVorlesungaufdenjungenStudentenKelsenhatte,wurdeschon
weiterobenausgeführt.267
Bereits seit 1891 Associ¦ der international wohl bedeutendsten Gelehrten-
gesellschaft auf demGebiet des Völkerrechts, des 1873 in Gent gegründeten
InstitutdeDroitInternational,wurdeStrisoweraufderTagungvonFlorenz1908
einstimmig zumordentlichenMitglied (»Membre«) des Instituts gewählt und
stand derWiener Tagung 1924 als Präsident vor. Auch für die vom Institut
veröffentlichtenAnnuairesdel’InstitutdedroitinternationalverfassteStrisower
zahlreiche Beiträge, von Fragen der Doppelbesteuerung bis zur Haftung der
Staaten für Schäden,dieAusländerauf ihremStaatsgebiet erlitten.
Naturgemäß brachte der Ausbruch des ErstenWeltkrieges eine Fülle von
völkerrechtlichenProblemen, die es für Strisower zu lösen galt. So hielt er im
Februar 1915 vor der Plenarversammlung der Gesellschaft österreichischer
Volkswirte einenVortrag über überseeische Zufuhr nachKriegsrecht und im
März desselben Jahres vor derWiener JuristischenGesellschaft einenVortrag
über die vermögensrechtlichenMaßregeln gegenÖsterreicher in den feindli-
264 Métall, Strisower1.
265 Olechowski, Strisower. Unrichtig daherMétall, Strisower 1, der nur von einer Titel-
verleihungspricht.
266 Verdross, Strisower25.
267 Vgl. oben474.
DiestaatswissenschaftlichenFächer524
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik