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l) Ludwig (von)Mises422
LudwigMises,geborenam29.September1881inLemberg/Galizien[Lˇviv/UKR]
alsLudwigHeinrichEdlervonMises,besuchtevon1892bis1900gemeinsammit
HansKelsendasAkademischeGymnasiuminWienundhörtedanachbis1902
dieVorlesungen aus demStudiumderRechtswissenschaften.Nachdemer am
15. Juli 1902die rechtshistorischeStaatsprüfungabgelegthatte,unterbrachder
dasStudiumunddientebis30. September1903alsEinjährig-Freiwilliger.Nach
FortsetzungseinerStudienwurdeMisesam20.Feber1906zumJDr.promoviert.
Daran anschließend war er ein halbes Jahr lang Konzeptspraktikant bei der
k.k.FinanzbezirksdirektionWien, bevor er als Advokaturskandidatüber zwei
JahrehinweganverschiedenenGerichtenRechtspraxissammelte.Nebenherwar
er seit 1907 alsVortragender beiMaturantenkursen derHandelsakademie für
Mädchen inderStephaniestraße tätig. ImApril 1909 tratMises ins Sekretariat
der niederösterreichischen Handels- und Gewerbekammer ein, war dort seit
21.Dezember 1911 Konsulent, besuchte jedoch die Seminare von Bernatzik,
Grünberg, Philippovic´ und Wieser, die ihn schließlich zur Habilitation er-
munterten.423
Im Juni 1912 suchte LudwigMisesmit der vonPhilippovic´ undWieser be-
gutachteten Schrift über »Theorie des Geldes und derUmlaufmittel« umHa-
bilitierung für das Fach PolitischeÖkonomie an, was dasMinisterium nach
KolloquiumundProbevortrag zumThema »Teuerung undTeuerungspolitik«
am 4.Mai 1913 genehmigte. Dennoch gelangt es ihm inWien niemals, einen
Lehrstuhlzubesetzen.Erwurde insgesamtbeivierBerufungsmöglichkeitenan
denLehrstuhlfürPolitischeÖkonomieübergangenundkamsomitnieüberden
1919 erlangten »Privatdozentenmit demTitel eines außerordentlichenProfes-
sors« hinaus. Seine Schüler gebendafür unisonodreiGründe an: Erstenswar
MiseseinLiberaler, alsderLiberalismuswederwirtschaftlichnochpolitischen
voguewar; zweitenswar er Jude; unddrittens sei er charakterlich ein unaus-
stehlicherMenschgewesen.424
DennochwarLudwigMisesdie zentraleFigur inderWeiterentwicklungder
Österreichischen Schule der Nationalökonomie; allerdings zeichnete er als
solcher auch für die Zersplitterungder Schule in zwei Stränge verantwortlich,
nämlich in die »Austroliberalen« und jene, die dem Liberalismus kritischer
gegenüber standen.425 Mises selbst betrachtete sich als den legitimen Erben
Mengers, war maßgeblich beeinflusst vom schwedischen Ökonomen Knut
422 Vgl. UAW,M. 32.5–703 und Senat S. 304.840. Zu biografischenDetails siehe außerdem
Mises, LudwigvonMises, 258.
423 Vgl.ÖSTAAVA,UnterrichtAllg.,Univ.Wien,Karton612,PersonalaktMisesLudwig.
424 Vgl.Craver, Emigration5.
425 Vgl.Klausinger,Wilderness 620.
Nationalökonomie& Volkswirtschaftspolitik 569
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik