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gerreiches beschäftigte. Auf Basis seiner Tätigkeiten als beamteter Statistiker
wie auch als Universitätsprofessor verbandWinkler in der Ersten Republik
statistische Methodik mit dem politischen Anliegen des AnschlussesÖster-
reichs anDeutschland beziehungsweise der Erhaltung der »deutschenVolks-
gemeinschaft«überdienationalstaatlichenGrenzenhinweg. Seinewichtigsten
Werke jener Jahre sind: »Die soziale LagederdeutschenHochschulstudenten-
schaft« (1912), »Die Bedeutung der Statistik für den Schutz der nationalen
Minderheiten« (1920), das »StatistischeHandbuchderNationalitäten« (1931),
das Lehrbuch »Grundrisse der Statistik« (1931), »Der Geburtenrückgang in
Österreich«(1935),»DeutschtuminallerWelt«(1938)sowiezahlreicheEinträge
im »Handwörterbuch der Staatswissenschaft« (Minderheitenstatistik, Natio-
nalitätenstatistik, etc.).Winkler verstarbam3.September1984 inWien.
3. Exkurs:Das»Institut fürStatistikderMinderheitsvölker«undseine
Studierenden582
Nach seiner Habilitation im Juni 1921 nahmWilhelmWinkler im darauffol-
genden Wintersemester 1921/22 die Lehrtätigkeit auf und begründete das
»Statistische Seminar über Bevölkerungs-,Wirtschafts- undKulturfragen des
Grenzlanddeutschtums«,dasbaldschlicht»Grenzlandseminar«genanntwurde.
Der persönliche Hintergrund dieser Lehrveranstaltung ist in Winklers Teil-
nahmeals statistischer Berater bei denFriedensverhandlungenvonSaintGer-
main und in seinen entsprechenden Grenzziehungsberechnungen zu suchen.
Denndieses »Friedensdiktat«habeWinkler zufolgedurchdieneuenGrenzzie-
hungenein»Grenzlanddeutschtum«geschaffen,wodurchunzählige»Deutsche«
vom»geschlossensiedelndendeutschenBlock«583abgetrenntwurden.
Imnächsten Studienjahr, 1922/23, konnteWinklermit Hilfe von Friedrich
Wieser undOthmar Spann, die ihn in denUniversitätsgremienunterstützten,
dasGrenzlandseminar institutionalisieren, indemerdas »Institut für Statistik
derMinderheitsvölker«gründete:»[D]erZweckdesInstitutes[ist],dasüberdie
nationalenMinderheitenvorhandenestatistischeMaterialzusammeln,kritisch
zu sichten und als Unterlage für die Lösung derMinderheitenfrage bereitzu-
stellen.«584 Obwohl sich die Forschung laut Programmschrift allgemein auf
Minderheitensoziologiebezogund fürdie SchaffungeinesMinderheitenrechts
eintrat, wiesen die Publikationen einen klaren Fokus auf deutschsprachigen
Minderheiten auf.Dadas Institut außerdemzudenkleinstenderRechts- und
582 ZumFolgendenausführlicherPinwinkler, Institut.
583 Winkler, StatistikdesGrenzlanddeutschtums245.
584 Winkler, BedeutungderStatistik 3.
DiestaatswissenschaftlichenFächer622
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik