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Universität in Krakau mit 14,5% verzeichnet. Insgesamt lag der Anteil der
FrauenandennichtdeutschsprachigenUniversitäten (alsGesamtheit gesehen,
ohne Unterscheidung hinsichtlich Sprache) bei 10,4% bei den deutschspra-
chigen hingegen lediglich bei 6,2%. Auch ein Vergleich der beiden Prager
UniversitätenzeigteinähnlichesBild:WährendanderböhmischenUniversität
8,7%derStudierendenFrauenwaren,warenesanderdeutschenUniversität in
Prag lediglich rund4%.
Die Universitätslandschaft war zu Beginn des 20. Jahrhunderts schon seit
längererZeit imHinblick auf die Standorte nicht gewachsen. Sowurden zwar
etlicheHochschulenEndedes 19. Jahrhunderts etabliert,3PlänezurGründung
neuerUniversitätenscheitertenjedoch.Als»jüngste«UniversitätCisleithaniens
wurdedieCzernowitzerUniversität, 1875errichtet, angesehen.Danachkames
lediglichdurchdie SpaltungderPragerUniversität 1882 zu einemZuwachs in
der Universitätslandschaft. In den letzten Kriegsjahren kam es zu mehreren
AnträgenaufErrichtungvonUniversitäten–wohlversuchtemanauch,die1917
herrschendeReformstimmungauszunützen.4
B. ZurMobilität zwischendenösterreichischenUniversitäten
Während um 1849 die deutsche Sprache als Unterrichtssprache an den Uni-
versitäten vorherrschte,mussten in den folgenden JahrzehntendenNationali-
tätenderHabsburgermonarchie immermehrZugeständnissegemachtwerden:
Sowurden1861anderKrakauerUniversitätVorlesungeninpolnischerSprache
eingeführt5–zunächstnochnebendeutschsprachigenLehrveranstaltungen,ab
1870warenalleordentlichenundaußerordentlichenProfessorenderUniversität
zuKrakauangehalten, ihreVorlesungenaufPolnischabzuhaltenmitAusnahme
vonVorträgenüberdeutscheSpracheundLiteratur.6Ein Jahrspäterkameszu
grundlegendenÄnderungenauchanderLembergerUniversität–sowarennun
auch hier Vorträge in polnischer und in ukrainischer Sprache vorgesehen.
Weiters sollten»inZukunft nurKandidaten,welche zumVortrage in einerder
beidenLandessprachenvollkommenbefähigt[waren,][aufdieLehrkanzelnder
Rechts-undStaatswissenschaftlichenFakultät] berufenwerdenkönnen.«7
IndenfolgendenJahrenkamesinLembergzueinergraduellenStärkungder
3 Vgl. dazuEngelbrecht, Bildungswesen IV,251–265.
4 SowurdenunteranderemdieGründungeinerukrainischenUniversität inLembergundeiner
deutschenUniversität inLinzgefordert.Vgl.dazuStaudigl-Ciechowicz,Universitätenum
1918.
5 Ministerial-Erlassvom13.2. 1861, abgedruckt in:Thaa,Universitäten54–58.
6 KUMEvom14.5. 1870, abgedruckt in:Beck,Kelle,Universitätsgesetze17.
7 KUMEvom11.7. 1871, abgedruckt in:Beck,Kelle,Universitätsgesetze17.
DieösterreichischeUniversitätslandschaftum1918642
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik