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waren: so etwaOthmarSpann, der sich1914umdieLehrkanzel für politische
Ökonomie beworben hatte, allerdings nicht wegen der von ihm vertretenen
Lehren, sondernweil seine Frau, Erika Spann-Reinisch75 angeblich nicht »ge-
sellschaftsfähig«war.76Worindiemangelnde»Gesellschaftsfähigkeit«vonErika
Spann-Reinischletztlichbestand,gehtausdenQuellennichthervor.Waresihre
–wie für damalige Zeiten – liberale Lebensweise? Sie hatte 1902HannsDorn
geheiratet,1905 lerntesieOthmarSpannkennen,zogzuihmundließsich1906
vonHannsDornscheidenumimgleichenJahrSpannzuheiraten, ihrSohnaus
ersterEhekamzunächstzuihremBruder,ab1913kümmertesichihreFreundin
alsPflegemutterumihn.WaresderUmstand,dasssieDichterinwarundsichfür
Fraueninteressen engagierte?Oderwar es ihr Freundeskreis zudemunter an-
derendieDichterinReginaUllmann,die1906einunehelichesKindvomersten
Gemahl Erika Spann-Reinisch’ zurWelt brachte, gehörte? – kurz und gut die
konservativen Kreise der Innsbrucker Universität verzichteten lieber auf die
BerufungSpanns, alsdass siedieGegenwart seinerFrau inKaufnahmen.
AberauchFranzKleinundFriedrichvonWieser scheiterten1886bzw.1890
aneinerBerufungnach Innsbruck.77Bei derBesetzung einer ao. Professur für
Kirchenrecht 1936 kamen gleich zwei Wiener in die engere Auswahl: Julius
Bombiero undWillibald Plöchl.78Ernanntwurde stattdessen –wohl auch aus
politischen Gründen –Josef Ebers, der bis zur »Gleichschaltung« Rektor der
UniversitätKölngewesenwar.79
MehrGlückander InnsbruckerFakultät hatte1935ArnoldHerdlitczka,der
sich inWien1931 fürRömischesRechthabilitierthatteundinFriedrichWoess
einen Unterstützer fand. Ebenso nach Innsbruck berufen wurde 1933 der in
WienhabilitierteHansBayer–obwohl er imBesetzungsvorschlagderFakultät
für das Extraordinariat für politischeÖkonomie nicht aufschien.80Der Inns-
bruckerOrdinarius fürNationalökonomieAdolf Günther, der 1939 dieNach-
folgeOthmarSpannsinWienantrat,erinnertesichimJuni1938andieBerufung
Bayerswie folgt: »DererwähnteFakultätsberichtmusstegetarntwerden, sollte
75 Vgl.Müller, BiografieErikaSpann-Reinisch.
76 Vgl.dazuv.a.dasbeiOberkofler,Goller,Universität Innsbruck265 f,zitierteSchreiben
vonFranzFreiherr vonMyrbachanEugenPhilippovichvomJuni1914.
77 Oberkofler,Goller,Universität Innsbruck252, 264.
78 Von Ferdinand Kogler erstellter Besetzungsvorschlag abgedruckt in: Lichtmannegger,
Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 233–236.Wobei imDokument von Arnold
PlöchldieRede ist–ausdemZusammenhangergibt sich jedoch,dasses sichumWillibald
Plöchlhandelnmuss.
79 Lichtmannegger,Rechts-undStaatswissenschaftlicheFakultät 27.
80 Vgl. Lichtmannegger, Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 169. Der Vorschlag
sah unico et aequo loco den Privatdozenten der Hochschule für Welthandel Richard
Kerschagl, den Privatdozenten der UniversitätWien AlexanderMahr und den Privatdo-
zentenderUniversität InnsbruckFerdinandUlmer.
DieLeopold-Franzens-Universität Innsbruck 657
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik