Seite - 664 - in Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
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Universitäten Berlin, Bonn, Breslau, Erlangen, Frankfurt a.M., Freiburg i.Br.,
Gießen, Göttingen, Greifswald, Halle, Hamburg, Heidelberg, Jena, Kiel, Köln,
Königsberg, Leipzig, Marburg, München, Münster, Rostock, Tübingen und
Würzburg antworteten auf diese Erklärung zustimmend und erklärten ihrer-
seits, sich »andenArbeiten zurRechtsangleichung imweitestenUmfange be-
teiligen« zuwollen.108UnmittelbareAuswirkungen zeigtendieErklärungen je-
dochbis1933keine.
2. ProtestgegendieAusschaltungdesVerfassungsgerichtshofes
(Juni1933)
Bereits imMärz1933begannderStaatsstreichaufRatenmitderAusschaltung
desNationalrates. In den folgendenMonaten setzte dieRegierung ihren auto-
ritärenKursmittelsRegierungsverordnungenum.Als imMai1933derVerfas-
sungsgerichtshof mittels einer Regierungsverordnung nach dem KWEG aus-
geschaltet wurde,109 beschlossen die österreichischen Rechts- und Staatswis-
senschaftlichenFakultäten,dagegenzuprotestieren.DerProdekanderWiener
Fakultät,AlfredVerdroß, luddieDekanederGrazerundInnsbruckerFakultäten
ein, sich an dem Beschluss desWiener Professorenkollegiums zu beteiligen.
Dieser sollte »demBundespräsidentenüberreichtundnachderUeberreichung
auchderTagespressezurVeröffentlichungübergebenwerden.«110DerBeschluss
umfasste eineKritik der Beseitigung derRechtskontrolle durchdieAuflösung
des Verfassungsgerichtshofes und richtete einen Appell an den Bundespräsi-
denten, »seine verfassungsmässige Autorität geltend zumachen«111. Das Pro-
fessorenkollegium der Innsbrucker Fakultät schloss sich dieser Protestnote
einstimmig an,112 ebenso die Grazer Fakultät.113 Der Beschluss wurde dem
BundespräsidentenAnfang Juni (höchstwahrscheinlich am2. Juni)übergeben
und auch dem Bundesministerium für Kultus und Unterricht weitergeleitet.
Dieses nahm lediglich zur Protestnote der Wiener Fakultät Stellung: »Herr
DekanwerdenvielmehraufdiePflichtderGeheimhaltungallerBeschlüsseder
akademischenKörperschaftenmitallemNachdruckeaufmerksamgemachtund
wirdindieserHinsichtinsbesondereaufdenErlassdesMinistersfürKultusund
Unterricht vom28.März 1874, Zl. 4105 […] verwiesen, wonach insbesondere
108 Festl-Wietek/Krüger,DieTrägerderRechtsangleichung174.
109 UmfassendZawadil,Ausschaltung; vgl. auchHeller,Verfassungsgerichtshof251 ff.
110 UAGraz, Jur.Dek.1932/33, 954ex1932/33.
111 UAGraz, Jur.Dek.1932/33, 954ex1932/33.
112 SchreibendesDekansWolff,UAGraz, Jur.Dek. 1932/33, 954ex1932/33.
113 SchreibendesProdekansandieWienerFakultät,UAGraz, Jur.Dek.1932/33,954ex1932/
33.
DieösterreichischeUniversitätslandschaftum1918664
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik