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stellte auch die angemessene Honorarzahlung der Vortragenden dar, die pro
Abend 30 Kronen erhielten, womit die Volkstümlichen Universitätsvorträge
einenentscheidendenBeitragzumGehaltdernur spärlichbezahltenPrivatdo-
zentinnenund-dozenten leisteten.
DieVolkstümlichenUniversitätsvorträgewieüberhauptdiegesamteWiener
Volksbildung erlebten ihre Hochzeit – stetig steigende Hörerfrequenz und
AusbaudesVortragsangebotes –knappvordemErstenWeltkrieg. IndenAn-
fangsjahren der Ersten Republik konnteman an die früheren Erfolge wieder
anschließen,wasvorallemeineFolgederneuenSozialgesetzgebungwar.Denn
inden Jahren1918bis 1920warenzumBeispielmit derEinführungdesAcht-
stundentages die Voraussetzungen für eine noch breitere Volks- und insbe-
sondereArbeiterbildunggeschaffenworden.64
DamalshieltenvondenLehrendenderRechts-undStaatswissenschaftlichen
Fakultät insbesondere Emil Goldmann, Rudolf Köstler und Stephan Braßloff
zahlreicheKurseab.65GoldmannbotetwaimJännerundFeber1919diebeiden
KurseÖsterreichischeVerfassungsgeschichte (jeweils dienstags imBotanischen
Institut am Rennweg vor neun Hörer/innen) undAnfänge der menschlichen
Gesellschaft(jeweilsmittwochsindenRäumlichkeitenderMädchenvolksschule
Zieglergasse49vor13Hörer/innen)an;Köstlererläutertejeweilsdonnerstagsin
der Volksschule Neustiftgasse Eltern- undKinderrechte, imOktober undNo-
vember 1919 jeweils dienstags inder Staatsrealschule Schopenhauerstraßedas
Eherecht; und Stephan Braßloff war überhaupt derjenige Rechts- und Staats-
wissenschafter, der ammeistenvolksbildnerisch tätigwar –und es spätestens
aufgrund der ihm 1925 an der Universität widerfahrenen antisemitischen
Hetzkampagne66wohlausfinanziellenGründenauchseinmusste:SeitdemJahr
1907 lehrte der Rechtshistoriker nicht nur bei den Volkstümlichen Universi-
tätsvorträgen,sondernwarebensoamVolksheimundinderUrania imEinsatz.
ImUntersuchungszeitraumsprach erbei denVolkstümlichenUniversitätsvor-
trägenunter anderemüberdasAmtdesGeschwornen sowiedieVerfassungder
römischen Republik und übernahm vonKöstler die zahlreichen Kurse in Fa-
milien- und Eherecht, wobei er stets besonderes Augenmerk auf den sozialen
ZweckdesRechtsunddabeivor allemaufdieFrauenrechte legte.Denngemäß
MeisselwarBraßloffein»Sozialreformer«,dernebenderVolksbildungauchals
ehrenamtlicherRechtsberater inderRechtshilfestellederGemeindeWientätig
warundsichzur»sozialen Jurisprudenz«bekannte.67
WeitersgabAlbertEhrenzweig inderLeopoldstadt imWintersemester1918/
64 Vgl. Filla,WienerVolksbildung56.
65 SiehezudenfolgendenAngabenUAW,VUV,Schachtel31,sowiedieDatenbankTheseusdes
ÖsterreichischenVolkshochschularchivs.
66 Vgl.Meissel, Erinnerungskultur.
67 Vgl.Meissel,Erinnerungskultur16 f.
Extramuros:Vereine,Gesellschaften,KreisundVolksbildung724
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik