Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geschichte
Nach 1918
Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Seite - 141 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 141 - in Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938

Bild der Seite - 141 -

Bild der Seite - 141 - in Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938

Text der Seite - 141 -

141Schulungszwang ? Praxis der Schulung, die für die Kriegsbeschädigten „viel Mühe“ und für die Lehrer „schwere Arbeit“ bedeutete. „Wir bestimmen für jeden Schüler von vornherein den Beruf, dem er zugeführt werden soll […], und auf diesen Spezialberuf wird er durch 6 Monate theoretisch und praktisch gedrillt, so daß dem Mann das Streben nach Erreichung dieses Zieles in Fleisch und Blut übergeht. Wir haben vorige Woche an der Acker-, Obst- und Weinbauschule Feldsberg einen solchen Kellermeisterkurs abgeschlossen. Die Zahl der Teilnehmer war 12. Ich möchte wünschen, es hätten alle jene, die daran Interesse haben, es sehen können, wel- che Freude und welcher Stolz aus den Augen dieser 12 Leute leuchtete, daß sie ihr mit vieler Mühe erworbenes Wissen in öffentlicher Prüfung dartun konnten, und von der Schulbank weg haben sie alle ihre Anstellungen erhalten. Die Unterrichtserteilung ist eine schwere Arbeit und sie muß mit unerbittlicher Strenge geübt werden. In den ersten paar Wochen werden die Schüler bocken, später finden sie sich darein, und am Schlusse sind sie von einer freudigen Dankbarkeit erfüllt, daß ihnen die Trä- nen in die Augen kommen.“164 Freilich war den Experten auch bewusst, dass ohne Mithilfe der Kriegsbeschädigten eine Schulung ganz zwecklos war. „Schablonenhaft zur Schule zu zwingen ist sinnlos und wird nur Misserfolge zeitigen“,165 betonte der bereits genannte Grazer Arzt Otto Burkard schon 1916. Und auch das Invalidenentschädigungsgesetz von 1919 forderte später  – wo es von der Schulung spricht  – ausdrücklich die „eifrige Mitwirkung des Geschädigten“166 ein. In den Kriegsjahren wurde den Kriegsbeschädigten vielfach „Arbeitsscheu“ un- terstellt, oder man attestierte ihnen, denen es „infolge der überstandenen seelischen Erschütterung an Selbstvertrauen und an dem Willen fehlt[e], sich in das normale Erwerbsleben einzufügen“, zumindest „Widerstände“.167 Obwohl man dieser Haltung immer zunächst mit Zwang begegnete, wurde auch versucht, das Vertrauen der Betrof- 164 K.k. Ministerium des Innern, Mitteilungen, 1917, S.  274. Ähnlich schönfärberisch z. B. Payer, Inva- lidenelend, S.  6 : „Es sei daher […] ein Besuch der Invalidenschulen empfohlen. Dort kann man die Helden beobachten, wie sie sich mühen, ein neues Gewerbe zu lernen, oder wo sie sich im Gebrauch der künstlichen Glieder üben, um in ihrem Handwerk eine Fertigkeit zu erlangen, die der früheren möglichst nahe kommen soll. Das ist das zweite Heldentum unserer Kriegsinvaliden“. 165 Burkard, Schulung, S.  105. 166 RGBl 1919/245, § 8 Abs 3. 167 Denkschrift über die von der k. k. Regierung aus Anlaß des Krieges getroffenen Maßnahmen, Bd. 2 : Juli bis Dezember 1915, Wien 1916, S.  218.
zurück zum  Buch Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938"
Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Die Wundes des Staates
Untertitel
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Autoren
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
586
Kategorien
Geschichte Nach 1918
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Die Wundes des Staates