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Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
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210 Die Organisierung der Kriegsbeschädigten Krieges entstanden und stieß mit seiner explizit politischen Ausrichtung von Anfang an auf die Gegenwehr konservativer Kreise ; er war dem politischen Kalkül der deut- schen sozialdemokratischen Partei entsprungen, die heimkehrende Soldaten nicht den konservativen Veteranenvereinen überlassen wollte.88 Dergleichen Überlegungen hatte es  – soweit sich dies aus den überlieferten Quellen rekonstruieren lässt  – in Österreich nicht gegeben, wenngleich die Sozialdemokratie ihre Sympathie für den Zentralverband von Anfang an offen artikulierte.89 Besonders in den Bundesländern waren jedoch auch politische Vertreter anderer Parteien in die Organisationsgründung eingebunden.90 Die Entstehung des österreichischen Zentralverbandes weist auch kaum Paralle- len zur Mobilisierung etwa der französischen Kriegsbeschädigten auf, die ebenfalls schon lang vor Kriegsende einsetzte, aber ihren Ausgang von den privaten Wohlfahrts- verbänden nahm und relativ spontan verlief, was in Frankreich  – im Unterschied zu Deutschland  – eine Organisierung der Kriegsbeschädigten außerhalb der bestehenden Parteienlandschaft begünstigte.91 Die Gründung des Zentralverbandes war mit den beiden aus Deutschland und Frankreich bekannten Modellen nicht vergleichbar, weil der Zentralverband weder aus ausschließlich spontanen und lokalen Zusammenschlüssen von Betroffenen noch aus explizit parteistrategischen Überlegungen heraus entstanden war. Eine Gruppe von Männern hatte seine Gründung zwar in die Hand genommen, doch waren dieser In- itiative ganz offenbar keine langwierigen Planungen vorangegangen. Der Zentralver- band war vielmehr ein Kind seiner Zeit. Der Zusammenbruch staatlicher Strukturen, die neue, unter sozialdemokratischer Beteiligung aufgestellte Regierung, die revolu- tionäre Nachkriegssituation, in der viele Gruppierungen ihr Selbstbestimmungsrecht verwirklicht sehen wollten, die Demobilisierung der Armee und das Interesse des Staates an einem starken Verhandlungspartner, das sich von Anfang an auch in einer staatlichen Subventionierung des jungen Verbandes ausdrückte  – das alles schuf ideale und während des Krieges noch nicht herrschende Bedingungen für die Entstehung eines zentralen Kriegsbeschädigtenverbandes. Das Kriegsende führt dazu, dass  – wie 88 Siehe vor allem Diehl, Organization. 89 Otto Glöckel über den Zentralverband : „Wir wollen, dass diese Organisation in der gleichen Form aus- gebaut wird, wie die Fachorganisation. Wir Sozialdemokraten werden mit allen Mitteln an ihrer Seite stehen“ ; Der Invalide, Nr. 4 v. 15.2.1919, S.  7. 90 An der Vollversammlung des Vereines der Kriegsinvaliden Deutsch-Tirols nahmen neben sozialdemokra- tischen auch christlichsoziale Politiker teil ; ebd., Nr. 7 v. 1.4.1919, S.  5. 91 Michael Geyer, Ein Vorbote des Wohlfahrtsstaates. Die Kriegsopferversorgung in Frankreich, Deutsch- land und Großbritannien nach dem Ersten Weltkrieg, in : Geschichte und Gesellschaft. Zeitschrift für Historische Sozialwissenschaft, 9 (1983) 2, S.  230–277, hier S.  264–271. Siehe dazu auch Prost, In the Wake, S.  28f und S.  34.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Die Wundes des Staates
Untertitel
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Autoren
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
586
Kategorien
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