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Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
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267Spaltungen und Einigungsversuche : 1919–1920 genannt ; die neu eröffnete Rubrik „Gerichtssaal“40 informierte über den Fortgang der Prozesse ; und vereinzelt tauchten antisemitisch gefärbte Diffamierungen der Gegenseite auf  – wie etwa dort, wo von Hollitscher als „land- und blutsfremde[m] Menschen“41 gesprochen wurde. Freilich blieben diese Töne im Invaliden so unbe- deutend, dass sie  – gemessen an dem teilweise äußerst extrem vorgetragenen Anti- semitismus der zeitgenössischen Presse  – praktisch untergingen. Insbesondere von der christlichsozialen Kriegsbeschädigtenzeitung Neues Leben, die seit August 1919 erschien42 und eine radikal antisemitische Diktion pflegte, unterschied sich der In- valide in diesem Punkt deutlich. An der Jahreswende von 1919 auf 1920 unternahm der Zentralverband einen neuen Anlauf, um die Streitigkeiten in Wien zu beenden, und nun konnte tatsächlich eine halbwegs tragfähige Vereinbarung zwischen den drei rivalisierenden Gruppierungen Zentralverband, Zentralrat und Sozialwirtschaftlichem Reichsbund erzielt werden. Die Funktionäre der verfeindeten Vereine fanden nach Überbrückung der gröbsten Dif- ferenzen schließlich zueinander. Ihnen war klar geworden, dass Wien gegenüber den Ländern mit einer Stimme auftreten musste, und es erschien ihnen zunehmend ab- surd, „Feind neben Feind am grünen Tisch des Staatsamtes sitzen zu müssen und für gleiche Interessen einig das selbe zu verlangen.“43 Am 10. Jänner 1920 wurde in einer von etwa 1.000 Wiener Kriegsbeschädigten besuchten, stürmisch verlaufenden Ver- sammlung ein Einigungsprotokoll ratifiziert,44 das die Verschmelzung der drei Grup- pen in einen gemeinsamen Wiener Kreis- bzw. Landes-Verband des Zentralverbandes und die Auflösung von Reichsbund und Zentralrat bis Ende März 1920 vorsah.45 Der Zentralverband hatte sich erfolgreich als „Verband der Verbände“46 positioniert. Der ausgeklügelte Plan wurde jedoch nur zum Teil umgesetzt. Zwar war bis Ende März der Reichsverband (also die Dachorganisation von Reichsbund und Zentralrat) aufgelöst und auch der Sozialwirtschaftliche Reichsbund wie geplant im Wiener Landesverband des Zentralverbandes aufgegangen.47 Der Zentralrat aber weigerte sich, seine Selbst- 40 Ebd., Nr. 15 v. 1.8.1919, S.  6. 41 Julian Berger, Die Einigungsverhandlungen, in : Der Invalide, Sonderausgabe v. August 1919, S.  1–5, hier S.  5. 42 Bis August 1919 unter der Bezeichnung Soldat und Volk. 43 „Die Einigung der Wiener Invalidenschaft“, in : Der Invalide, Nr. 2. v. 15.1.1920, S.  2f, hier S.  2. 44 AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1559, Sa 46, 1429/1920, Ratifizierungs-Protokoll. Beschlüsse. 45 Zur organisatorischen Abwicklung dieses Prozesses wurde ein eigenes Komitee installiert. Der von Reichsbund und Zentralrat gemeinsam gebildete Reichsverband sollte vorerst bestehen bleiben, damit er im Falle des Scheiterns der Vereinigung reaktiviert werden konnte. 46 Der Invalide, Nr. 4 v. 16.2.1920, S.  2. 47 AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1569, Sa 132, 32839/1920.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Die Wundes des Staates
Untertitel
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Autoren
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
586
Kategorien
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