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Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Seite - 273 -
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273Spaltungen und Einigungsversuche : 1919–1920 beschränkte sich aber anfangs im Wesentlichen darauf, Missstände innerhalb des Zen- tralverbandes aufzugreifen, den führenden Vertretern dieses Verbandes Verstrickung in alle erdenklichen Ungesetzlichkeiten vorzuwerfen und dabei ausgiebig antisemitische Klischees zu bedienen („Darum christliche deutsche Invalide und Witwen, ob Bauer oder Städter : Heraus aus der jüdischen roten Organisation und hinein in den Verband christlicher Invalider, Kriegerwitwen und -waisen !“85). Der diffuse Antisemitismus des Verbandes erhielt ein konkretes Feindbild, als Mitte 1920 mit Maximilian Brandeisz, der bald zur wichtigsten Figur des Zentralverbandes aufsteigen sollte, ein Funktionär jüdischer Herkunft die Leitung des Wiener Landesverbandes übernahm.86 Das Ver- hältnis zwischen dem Zentralverband und dem  – anfangs größenmäßig unbedeutend87 und daher auch noch einflusslos bleibenden  – christlichsozialen Verein war von An- fang an schlecht ; anders als mit Zentralrat und Sozialwirtschaftlichem Reichsbund gab es mit diesem Verein überhaupt keine Gesprächsbasis. In Einigungsverhandlungen war er nie eingebunden. Eine seiner ersten Versammlungen (im Wiener Außenbezirk Hernals) wurde von aufgebrachten Anhängern des Zentralverbandes gestört ; sie hat- ten auf der Straße vor dem Versammlungsraum eine Gegenveranstaltung organisiert und konnten „nur mit größter Mühe von Tätlichkeiten zurück[ge]halten werden“.88 Handgreiflichkeiten von linker Seite begleiteten den Verein auch, als er sich im April 1921 in Reichsverband christlicher Kriegsinvalider, Kriegerwitwen, -waisen und Heimkeh- rer Österreichs in Wien umbenannte : 300 Personen belagerten etwa das Gründungsfest Kriegsbeschädigte beschränkte  – Verband setzte sich nie so richtig vom alten  – die Heimkehrer mit einschließenden  – Verein ab ; das spiegelt sich auch in der sehr uneinheitlichen Bezeichnung der bei- den an derselben Adresse residierenden und parallel bestehenden Organisationen ; im November 1919 veranstalteten sie beispielsweise gemeinsam eine Gedächtnismesse zu Ehren der Gefallenen, dabei wur- den die Heimkehrer aus der Bezeichnung des Kriegsbeschädigtenverbandes weggelassen ; ebd., Nr. 26 v. 1.11.1919, S.  6. Das war an und für sich korrekt, denn obwohl sich der Verein in der Verbandszeitung im- mer Verband christlicher Heimkehrer, Kriegsinvalider, Kriegerwitwen und -waisen Deutschösterreichs nannte, hieß er in den Statuten Verband christlicher Kriegsinvalider, Kriegerwitwen und Waisen Deutsch-Österreichs ; AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1559, Sa 44, 24027/1919. Im April 1921 nahm der Verein die Heim- kehrer wieder offiziell in den Titel auf : Er wurde in Reichsverband christlicher Kriegsinvalider, Kriegerwit- wen, -waisen und Heimkehrer Österreichs in Wien umbenannt ; ebd., Kt. 1559, Sa 44, 12882/1921. Ab 1924 hieß der Verein Reichsbund der Kriegsopfer Österreichs ; AT-OeStA/AdR BKA BKA-I BPDion Wien VB, VIII 2864 (Reichsbund der Kriegsopfer Österreichs), Aktenübersicht. 85 Neues Leben, Nr. 28 v. 1.12.1919, S.  2. 86 Zu Brandeisz vgl. Kapitel 13.1.3.1. 87 Wie wiederholte Aufrufe in der Zeitung belegen, zog sich die Gründung von Ortsgruppen des christ- lichsozialen Verbandes in die Länge ; z. B. Neues Leben, Nr. 25 v. 15.10.1919, S.  5. 88 Die Versammlung in Hernals fand am 7.9.1919 statt ; „Mißglückter Versuch einer christlich-sozialen Ortsgruppengründung Kriegsbeschädigter“, in : Der Invalide, Nr. 18 v. 15.9.1919, S.  6 ; vgl. auch Neues Leben, Nr. 24 v. 1.10.1919, S.  6f.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Die Wundes des Staates
Untertitel
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Autoren
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
586
Kategorien
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