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Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Seite - 279 -
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279Spaltungen und Einigungsversuche : 1919–1920 schen Kriegsblinden, zu seinen Mitgliedern.114 Ab 1921 gab es eine eigene Zeitung.115 Für die übrigen Kriegsbeschädigtenorganisationen stellte die kleine Gruppe keine Bedrohung dar, sondern war nur der folgerichtige Ausdruck der Sonderstellung von Kriegsblinden. Obwohl im Zentralverband vereinzelt Stimmen laut wurden, die sich gegen einen solchen „Föderalismus nach Krankheitsgruppen“116 aussprachen, zeigte dann gerade dieser Verband vor, auf welche Weise eine Zusammenarbeit fruchtbar sein konnte. Zentralverband und Verband der Kriegsblinden schlossen sich eng zusam- men und hatten nach der Überwindung von Anfangsschwierigkeiten ein „ungetrübtes freundschaftliches Verhältnis“.117 Die Obmänner der beiden Vereine  – Maximilian Brandeisz, ab Mitte 1920 Landesverbandsvorsitzender in Wien, und Hans Hirsch, sein Pendant aufseiten des Kriegsblindenvereins  – traten auch auf internationalem Parkett meist gemeinsam auf.118 Die Kriegsblinden profitierten vom großen Apparat des Zentralverbandes und dieser vom Nimbus der Kriegsblinden. Bei Verhandlungen war der Verweis auf die Nöte der Kriegsblinden einer Durchsetzung von Forderungen vielfach dienlich  – und nicht zufällig bildeten Kriegsblinde bei den meisten Demons- trationen von Kriegsbeschädigten die Spitze des Zuges.119 Erst Anfang der 1930er-Jahre wurde die enge Kooperation mit dem Zentralverband von manchen Mitgliedern des Verbandes der Kriegsblinden infrage gestellt. 1932 ent- stand dann aus einer oppositionellen Gruppierung innerhalb des Blindenverbandes ein neuer Kriegsblindenverein, der Bund der österreichischen Kriegsblinden, der sich sofort 114 AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1559, Sa 44 ; ebd., Kt. 1368, 29149/1919. 241 Mitglieder werden für Jänner 1921 und 264 für Dezember 1921 angegeben ; ebd., Kt. 1401, 17329/1922. Die ordentliche Mitgliedschaft und das aktive Wahlrecht waren blinden bzw. praktisch blinden Personen und deren Hinterbliebenen vorbehalten, sehende konnten eine außerordentliche Mitgliedschaft erwerben, die nur mit dem passiven Wahlrecht verbunden war ; ebd., Kt. 1559, Sa 44, Satzungen, §§ 2, 5, 6. Die Mitglieder waren über ganz Österreich verstreut, ab 1926 wurden daher auch Landesgruppen gebildet ; „Neuge- staltung in unserer Organisation“, in : Nachrichten des Verbandes der Kriegsblinden Österreichs, Nr. 5/6 v. Mai/Juni 1926, S.  1f. 115 Nachrichten des Verbandes der Kriegsblinden Österreichs. 116 „Die Invalidenbewegung“, in : Der Invalide, Nr. 18 v. 15.9.1919, S.  1f, hier S.  1. 117 Hans Hirsch, Die Kriegsblinden und der Zentralverband, in : Der Invalide, Nr. 11 v. November 1928, S.  10 ; vgl. auch „Zehn Jahre Verband der Kriegsblinden“, in : Der Invalide, Nr. 6 v. Juni 1929, S.  2–4. 118 Zu Brandeisz vgl. Kapitel 13.1.3.1 ; zu Hirsch vgl. Kapitel 13.1.3.3. 119 So zum Beispiel bei einer Demonstration des Zentralverbandes am 4.11.1926 in Wien, bei der es zu Zusammenstößen mit der Polizei kam ; „Unsere Demonstration“, in : Der Invalide, Nr. 11 v. Novem- ber/Dezember 1926, S.  1f. Auch der Reichsbund ließ meist die Kriegsblinden vorangehen, wie etwa bei der Delegiertentagung vom 2.–3.11.1935 anlässlich seines 15-jährigen Bestandes ; Oesterreichs Kriegsopfer, Nr. 10/11 v. Oktober/November 1935, S.  5. Manchmal ließ man auch die Invaliden- und Waisenkinder an der Spitze des Zuges marschieren, so bei einer Demonstration anlässlich einer Tagung des Reichsbundes im September 1926 ; „Wir sind die Aufsteigenden  … !“, in : Oesterreichs Kriegsopfer, Nr. 10 v. Oktober 1926, S.  1f, hier S.  2.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Die Wundes des Staates
Untertitel
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Autoren
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
586
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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