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und Einigungsversuche : 1919–1920
schen Kriegsblinden, zu seinen Mitgliedern.114 Ab 1921 gab es eine eigene Zeitung.115
Für die übrigen Kriegsbeschädigtenorganisationen stellte die kleine Gruppe keine
Bedrohung dar, sondern war nur der folgerichtige Ausdruck der Sonderstellung von
Kriegsblinden. Obwohl im Zentralverband vereinzelt Stimmen laut wurden, die sich
gegen einen solchen „Föderalismus nach Krankheitsgruppen“116 aussprachen, zeigte
dann gerade dieser Verband vor, auf welche Weise eine Zusammenarbeit fruchtbar
sein konnte. Zentralverband und Verband der Kriegsblinden schlossen sich eng zusam-
men und hatten nach der Überwindung von Anfangsschwierigkeiten ein „ungetrübtes
freundschaftliches Verhältnis“.117 Die Obmänner der beiden Vereine – Maximilian
Brandeisz, ab Mitte 1920 Landesverbandsvorsitzender in Wien, und Hans Hirsch,
sein Pendant aufseiten des Kriegsblindenvereins – traten auch auf internationalem
Parkett meist gemeinsam auf.118 Die Kriegsblinden profitierten vom großen Apparat
des Zentralverbandes und dieser vom Nimbus der Kriegsblinden. Bei Verhandlungen
war der Verweis auf die Nöte der Kriegsblinden einer Durchsetzung von Forderungen
vielfach dienlich – und nicht zufällig bildeten Kriegsblinde bei den meisten Demons-
trationen von Kriegsbeschädigten die Spitze des Zuges.119
Erst Anfang der 1930er-Jahre wurde die enge Kooperation mit dem Zentralverband
von manchen Mitgliedern des Verbandes der Kriegsblinden infrage gestellt. 1932 ent-
stand dann aus einer oppositionellen Gruppierung innerhalb des Blindenverbandes ein
neuer Kriegsblindenverein, der Bund der österreichischen Kriegsblinden, der sich sofort
114 AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1559, Sa 44 ; ebd., Kt. 1368, 29149/1919. 241 Mitglieder werden
für Jänner 1921 und 264 für Dezember 1921 angegeben ; ebd., Kt. 1401, 17329/1922. Die ordentliche
Mitgliedschaft und das aktive Wahlrecht waren blinden bzw. praktisch blinden Personen und deren
Hinterbliebenen vorbehalten, sehende konnten eine außerordentliche Mitgliedschaft erwerben, die nur
mit dem passiven Wahlrecht verbunden war ; ebd., Kt. 1559, Sa 44, Satzungen, §§ 2, 5, 6. Die Mitglieder
waren über ganz Österreich verstreut, ab 1926 wurden daher auch Landesgruppen gebildet ; „Neuge-
staltung in unserer Organisation“, in : Nachrichten des Verbandes der Kriegsblinden Österreichs, Nr.
5/6 v. Mai/Juni 1926, S. 1f.
115 Nachrichten des Verbandes der Kriegsblinden Österreichs.
116 „Die Invalidenbewegung“, in : Der Invalide, Nr. 18 v. 15.9.1919, S. 1f, hier S. 1.
117 Hans Hirsch, Die Kriegsblinden und der Zentralverband, in : Der Invalide, Nr. 11 v. November 1928,
S. 10 ; vgl. auch „Zehn Jahre Verband der Kriegsblinden“, in : Der Invalide, Nr. 6 v. Juni 1929, S. 2–4.
118 Zu Brandeisz vgl. Kapitel 13.1.3.1 ; zu Hirsch vgl. Kapitel 13.1.3.3.
119 So zum Beispiel bei einer Demonstration des Zentralverbandes am 4.11.1926 in Wien, bei der es zu
Zusammenstößen mit der Polizei kam ; „Unsere Demonstration“, in : Der Invalide, Nr. 11 v. Novem-
ber/Dezember 1926, S. 1f. Auch der Reichsbund ließ meist die Kriegsblinden vorangehen, wie etwa
bei der Delegiertentagung vom 2.–3.11.1935 anlässlich seines 15-jährigen Bestandes ; Oesterreichs
Kriegsopfer, Nr. 10/11 v. Oktober/November 1935, S. 5. Manchmal ließ man auch die Invaliden- und
Waisenkinder an der Spitze des Zuges marschieren, so bei einer Demonstration anlässlich einer Tagung
des Reichsbundes im September 1926 ; „Wir sind die Aufsteigenden
… !“, in : Oesterreichs Kriegsopfer,
Nr. 10 v. Oktober 1926, S. 1f, hier S. 2.
Die Wundes des Staates
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Die Wundes des Staates
- Subtitle
- Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
- Authors
- Verena Pawlowsky
- Harald Wendelin
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2015
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79598-8
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 586
- Categories
- Geschichte Nach 1918