Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geschichte
Nach 1918
Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Seite - 298 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 298 - in Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938

Bild der Seite - 298 -

Bild der Seite - 298 - in Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938

Text der Seite - 298 -

298 Die Invalidenbewegung eine Abteilung für Hausindustrie und Kunstkeramik  – geteilt.215 Noch im selben Jahr wurde auch die Anstaltskirche abgetragen und ein Stück weiter stadteinwärts in der Quellenstraße als Notkirche wieder aufgebaut.216 Genossenschaften für Kriegsbeschädigte waren zwar schon während des Krieges geschaffen worden  – in Österreich gab es vor 1918 beispielsweise die Kriegsinvali- den-Erwerbsgenossenschaft in Salzburg und ein von der Gesellschaft für Kriegsinvalide ins Leben gerufenes Pendant in Wien217  –, doch waren das immer Gründungen von Fürsorgevereinen gewesen. Nach dem Krieg ging die Initiative dann von den Kriegs- beschädigtenvereinen aus, die hofften, ihrer Klientel auf diese Weise Erwerbsmöglich- keiten zu eröffnen.218 Dabei wurden interessanterweise exakt jene Argumente wieder hervorgeholt, mit denen schon im Krieg für Schulung und berufliche Rehabilitation Stimmung gemacht worden war. Die Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaft der Kärnt- ner Kriegsopfer „Wulfenia“, der nach dem Wiener Modell die Klagenfurter Invaliden- schulen übertragen werden sollten, brachte es auf den Punkt : „Wir haben in der Genossenschaft den Wahlspruch des großen Carlyle219 uns zu eigen ge- macht : Arbeiten und nicht verzweifeln […]. Durch Almosen allein wird kein Elend in Glück verkehrt, das Bewusstsein restloser Pflichterfüllung im Geiste der Arbeit allein bringt uns wieder auf den Damm, dies sind Binsenwahrheiten“.220 Waren solche Aussagen während des Krieges  – da sie von jenen kamen, die sich in der Kriegsbeschädigtenfürsorge engagierten, aber nicht selbst kriegsbeschädigt waren  – in erster Linie Rechtfertigung (etwa der zwangsweisen Schulung) oder Abwehr (etwa des Anspruchs von Kriegsbeschädigten auf Vollversorgung durch den Staat), so änderte 215 Ebd., Kt. 1403, 19472/1922, Vorakt 1333/1922. Bei der Gelegenheit wurde ein Personalstand von 45 Personen festgesetzt ; ebd., Akt v. 26.7.1922. 216 Lang, Schleierbaracken, S.  32–36. Adresse : Wien X, Quellenstraße 197. 217 AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1364, 13/1918 und vor allem ebd., Kt. 1361, 12960/1918. 218 Beispiele sind in Tabelle 9 im Anhang aufgelistet. 219 „Arbeiten und nicht verzweifeln“  – so der schottische Historiker und Schriftsteller Thomas Carlyle in seiner Antrittsrede als Rektor der Universität Edinburgh am 2.4.1866 ; http://de.wikiquote.org/wiki/ Arbeit (Abfrage : 29.9.2011). 220 AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1567, Sa 124,Vorakt 26236/1920 ; durch die Umwandlung der Wie- ner Invalidenschulen in eine Genossenschaft solle „eine Stätte gewerblichen Fleisses“ geschaffen wer- den, die „einer bedeutenden Anzahl der schwerstbetroffenen Opfer des Weltkrieges das Odium beneh- men wird, Parasiten am Leibe der Gesellschaft zu sein, und den Beweis zu erbringen in der Lage sein muss, dass auch Kriegsbeschädigte im Stande sein werden, sich und ihren Familien den Lebensunter- halt durch produktive Arbeit zu beschaffen und so auf eigene Füsse gestellt zu werden, ohne dauernd lästige Kostgänger bei der Allgemeinheit bleiben zu müssen“ ; ebd., Kt. 1403, 19472/1922, Deutsch- österreichische Invalidenschulen an BMfsV v. 4.1.1921.
zurück zum  Buch Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938"
Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Die Wundes des Staates
Untertitel
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Autoren
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
586
Kategorien
Geschichte Nach 1918
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Die Wundes des Staates