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Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Seite - 300 -
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300 Die Invalidenbewegung wurde, soll nun zur Wohnstätte für unsere Invaliden, zur Erholungs- u. Arbeitsstätte zugleich u. zwar für das ganze Jahr werden. Aus dem ehemaligen Lustschloss soll ein Genesungsheim für jene werden die für Kaiser u. Reich gekämpft u. geblutet haben u. zu Krüppeln wurden. Ueber den Verlust ihrer Gliedmassen vermag sie auch der Aufenthalt in Laxenbu[r]g nicht hinweg zu täuschen, aber an Leib u. Seele sollen sie wieder gesunden, soweit ihr Krüppeltum es eben zulässt. Die schrecklichen Eindrücke des über 4 Jahre in gezwungener Weise geübten blutigen Handwerkes sollen durch Arbeit verscheucht u. die im Traume wiederkehrenden Reflexe überstandener Qualen durch geistige Anregung gebannt werden. Und Laxenburg ist geeignet diesem Zwecke dienlich gemacht zu werden.“226 Doch war es das wirklich ? Konnte ein Schloss, dessen Betrieb bis dahin den Bedürfnis- sen einer Herrscherfamilie genügte, so einfach in ein modernes Unternehmen umge- wandelt werden ? Waren die finanziellen Mittel vorhanden und die organisatorischen Kapazitäten gegeben ? Bestand auf staatlicher Seite der Wille und waren die Kriegsbe- schädigten in der Lage, ein solches Projekt umzusetzen ? Zunächst sah es tatsächlich so aus, als könnte das Experiment gelingen, doch der Verlauf der Verhandlungen und Aktionen, der anfangs durchaus eine gewisse Dynamik gehabt hatte, wurde immer zä- her, die Zahl der beteiligten Akteure, die Widerstände, die objektiven Hindernisse und nicht umgesetzten Beschlüsse immer größer, und am Ende scheiterten die hochflie- genden Pläne. Die Geschichte von Laxenburg ist auch ein Paradebeispiel für die sich wandelnden Interaktionsformen zwischen Staatsstellen, Zentralverband und Kriegs- beschädigten in den ersten Nachkriegsjahren. Es kommt deutlich ans Licht, wo die Hoffnungen der Invaliden lagen, wie sehr sie von der Rechtmäßigkeit ihrer Forderung nach Übergabe des dynastischen Besitzes überzeugt waren, wie schmerzhaft sie die Einwände der Staatsbürokratie als Hinhaltung erlebten und wie sie dann  – zermürbt durch langjähriges Warten  – letztlich doch aufgaben. 9.2.2.1 Große Pläne und Besetzung Schon zwei Wochen, nachdem der Zentralverband seine Forderung erstmals formu- liert hatte, begannen Verhandlungen, die sich anfangs nicht nur mit der Widmung des Schlosses Laxenburg, sondern auch mit der Verwendung der im Wiener Stadtgebiet gelegenen Schlösser Schönbrunn und Hetzendorf sowie der Hermesvilla im Lainzer Tiergarten beschäftigten. Während für das Schloss Hetzendorf schon seit Längerem Pläne auf dem Tisch lagen  – es sollte dem orthopädischen Spital in Wien unterstellt 226 AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1554, Sa 29, II. Teil, 29952/1919, Skizze zu einem projektierten Garten-Restaurations-Gebäude.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Die Wundes des Staates
Untertitel
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Autoren
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
586
Kategorien
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