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Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
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321Resümee  – Die Waffe hat einen Namen : Organisation 9.4 Resümee  – Die Waffe hat einen Namen : Organisation Wenn man die ersten Jahre der Invalidenbewegung überblickt, so fällt die Parallelität verschiedenster Prozesse auf : Neben vielfachen Akten der Selbstermächtigung, der Gruppenbildung und der aktiven Organisationsbemühungen gab es leidenschaftliche Diskussionen bei Delegiertentagen, Abspaltungen ganzer Fraktionen, Besetzungen und lautstarke Proteste auf der Straße. Die Funktionäre des Zentralverbandes  – in Verhandlungen mit dem Staatsamt für soziale Fürsorge und dem späteren Bundesmi- nisterium für soziale Verwaltung begriffen, an Gesetzesparagrafen feilend, mit inter- nen Konflikten beschäftigt, das vereinte Auftreten der Kriegsbeschädigten anstrebend und in zermürbenden Strukturdebatten um die passende Organisationsform für den jungen Verein ringend  – diese Funktionäre sahen sich einer Gruppe gegenüber, die sie als solche vertreten wollten, deren Mitglieder sich aber  – trotz faktischer Gruppenzu- gehörigkeit  – verständlicherweise mit der Frage einer Gruppenidentität weit weniger befassten als mit den naheliegenden Dingen des täglichen Lebens. Zu sehr stand an- fangs das unmittelbare Überleben oder  – wie es die Funktionäre immer wieder mit durchaus negativem Unterton formulierten  – „die Magenfrage“348 im Mittelpunkt. Die Kriegsbeschädigten wollten eine spürbare Verbesserung ihrer Lebensumstände und verfochten dieses Ansinnen  – wie das am Beispiel der zweckentfremdeten Nutzung der Schleierbaracken oder der Besetzung des Laxenburger Schlosses gezeigt wurde  – durchaus vehement. Dabei war es für sie uninteressant, dass jene, die die Organisation aufbauten und führten, auch mittel- und langfristige Ziele verfolgten. Diese wiede- rum  – in erster Linie sozialdemokratische und gewerkschaftsnahe Verbandsfunktio- näre  – wurden, wie mehrere Berichte im Invaliden bezeugen, im Laufe des Jahres 1920 zunehmend ungehalten über die von ihnen Vertretenen, die vom Staat (und auch von der Interessenvertretung) alles  – und eben auch Unmögliches  – wollten : „Es ist jeder unehrlich zu nennen und er leistet seinen Kameraden, er leistet unserer Volksre- publik bestimmt keinen Dienst, wenn er die breiten Schichten des Volkes aufreizt, dadurch, daß er ihnen vormacht, es wäre alles in Fülle vorhanden, es hinge nur von der Energie und dem Ungestüm ihres Forderns ab, mehr zu erreichen. Ein solcher Volksfreund hat den Be- griff Staat im Kopf, der für ihn aber nicht mehr enthält, als die fünf Buchstaben, mit denen er geschrieben wird. Er glaubt dann, eine je größere und aufgepeitschtere Menge von Volksge- nossen er gegen diesen Staat, der sich ihm noch eventuell durch die Gebäude des Parlaments oder sonst versinnbildlicht, Sturm laufen läßt, desto sicherer an einen Erfolg.“349 348 Der Invalide, Nr. 7 v. 1.4.1920, S.  1. 349 Ebd.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Die Wundes des Staates
Untertitel
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Autoren
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
586
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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