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Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Seite - 381 -
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381Die Spielabgabe : „Besteuerung der Gemütlichkeit“ ? als Aufsichtsorgane angestellt werden, sich wegen Sympathie oder Antipathie, die ihnen von Prassern, Schlemmern, Schiebern und sonstigem Kriegsgewinnergesindel entgegengebracht werden wird, keine grauen Haare wachsen lassen.“49 Aus dem Zitat spricht ganz nebenbei auch eine gewissermaßen puritanische Haltung, die den Funk- tionären des Zentralverbandes nicht ganz fremd war und die es erlaubte, Spieler mit „Schiebern und sonstigem Kriegsgewinnlergesindel“ gleichzusetzen. Die Gastgewerbetreibenden hatten andere Sorgen : Bei einer Enquete des Reichs- verbandes der gastgewerblichen Genossenschaftsverbände sah der Vorstand des Verbandes geradezu eine gesamtwirtschaftliche Katastrophe herannahen : „Eine Flucht des kartenspielenden Publikums ist heute schon zu bemerken, das Schachspiel liegt brach, Domino und Billard wird nur mehr selten gespielt, an manchen Tagen gar nicht. Die drei Wiener Billardfabriken, Stark, Seyfert und die Wiener Billardtischlerei sind gezwungen, ihre Betriebe einzuschränken, oder auf andere Leistungen einzustellen, deren Personal wird zum Teil entlassen und hierdurch brotlos. Die Spielkartenfabrik Piatnik leidet ebenfalls bereits unter diesen Umständen, entläßt Kartenputzerinnen und wird ihre Pro- dukte um 100 % im Preis erhöhen müssen. Das Großkapital wird von der Abgabe nicht getroffen, da es seine Spielabende in private Zirkel verlegt ; der Kontrollapparat wird sehr teuer werden, daher der Abgabe keine, oder eine nur geringe Ertragsfähigkeit heute schon zugemutet werden kann. Betriebsstörungen kommen auch bereits vor, durch Übergriffe kontrollierender Invaliden, welche nicht mit rich- tigem Takte bei der Kontrolle vorzugehen wissen.“50 Diese Schwarzmalerei des Verbandes steht im krassen Widerspruch zu dem, was aus den Bundesländern und der Hauptstadt über den Vollzug  – oder besser den „Nicht- Vollzug“  – des Gesetzes berichtet wurde. Das Ergebnis einer groß angelegten Kont- rolle von Betrieben in Wien  – im Auftrag des Staatsamtes waren an einem Tag nicht weniger als 268 städtische Beamte im Einsatz  – dürfte jedenfalls nicht dazu beigetra- gen haben, die Hoffnung auf eine segensreiche Wirkung des Spielabgabengesetzes zu erfüllen. Der Bericht an das Staatsamt hält fest, „dass in einzelnen Betrieben die Zahl der ohne Spielkupon angetroffenen Spieler eine so grosse war, dass die [Feststellung der] Identität sämtlicher Beanständeter […] ausserhalb des Bereiches der Möglichkeit 49 Ebd. 50 AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1564, Sa 121, 21569/1920, Protokoll der Enquete v. 15.7.1920. Der Landesverband Vorarlberg des Zentralverbandes wusste dem Staatsamt für soziale Verwaltung Anfang September 1920 zu berichten, dass „von den Spielern in den abgabepflichtigen Orten ein förmlicher Streik eröffnet“ worden sei, ein Großteil der Spielergruppen habe sich in Privatwohnungen zurückgezo- gen ; ebd., Kt. 1564, Sa 121, 25512/1920, LV Vorarlberg an StAfsV v. 1.9.1920.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Die Wundes des Staates
Untertitel
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Autoren
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
586
Kategorien
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