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Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
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417Das Invalidenbeschäftigungsgesetz Abschieben der Kriegsbeschädigten in eine Parallelwirtschaft aussprach (wie es das Konzept der Invalidenkolonien vorgesehen hätte) und stattdessen für die Schaffung von „Invalidenposten“ plädierte. Seine Ideen  – nämlich dass solche Posten (jeweils einer pro 75 Beschäftigte) für Schwerkriegsbeschädigte mit „Anstellungsschein“ zur Verfügung stehen sollten, dass auch die Landwirtschaft in diesen „gesetzliche[n] An- stellungszwang“ einbezogen werden müsse und dass öffentliche Aufträge nur an Fir- men vergeben werden dürften, die sich dieser Regel unterwarfen  – diese Ideen wurden bei der Ausarbeitung des österreichischen Gesetzesentwurfes aufgegriffen.112 Das ös- terreichische Ministerium prüfte auch andere Stellungnahmen aus dem Ausland, re- gistrierte Pressemeldungen aufmerksam113 und diskutierte die Vorzüge und Nachteile des Anstellungszwanges mit Fachleuten.114 Als nach dem Ende des Krieges das Deutsche Reich schon Anfang 1919 eine Ver- ordnung erließ, nach der pro 100 Arbeitsplätzen in einem Betrieb (50 in der Land- wirtschaft) ein Schwerbeschädigter einzustellen war,115 wurde diese Entwicklung im Staatsamt für soziale Fürsorge interessiert beobachtet und analysiert.116 Man wusste, dass nun die Forderung nach einem vergleichbaren Gesetz in Österreich nicht lange auf sich warten lassen würde, und begann, einen Gesetzesentwurf auszuarbeiten. Ge- plant war, mit diesem Gesetz vor allem eine psychologische Wirkung zu erzielen und seine definitive Inkraftsetzung  – indem man sie einer Vollzugsanweisung überließ  – noch hinauszuzögern.117 auch die bereits zwei Jahre zuvor veröffentlichte Schrift : Emerich Ferenczi, Die Wiedereinstellung der Kriegsinvaliden ins bürgerliche Erwerbsleben in Deutschland, Österreich und Ungarn, Wien-Leipzig 1916. 112 AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1362, 17955/1918. Auf den Gegenartikel des Budapester Erzbischofs reflektierte das österreichische Ministerium hingegen nicht ; ebd., Kt. 1362, 18443/1918, L.A. Várady, Zur Frage der Invalidenkolonien, in : Pester Lloyd v. 14.7.1918 (Kopie). 113 Ebd., Kt. 1362, 20373/1918, „Kriegsbeschädigtenfürsorge und Caritas“, in : Germania, Nr. 359 v. 4.8.1918 (Kopie) ; ebd., Kt. 1365, 161/1919, Frankfurter Zeitung v. 27.12.1918 (Kopie) ; ebd., Kt. 1365, 1967/1919, „Die Wiedereinstellung der Kriegsteilnehmer“, in : Deutsche Allgemeine Zeitung v. 14.1.1919 (Kopie). 114 Sektionschef Otto Gasteiger führte kurz vor Kriegsende ein ausführliches Gespräch mit einem deut- schen Kollegen und protokollierte dessen Argumente penibel ; ebd., Kt. 1363, 24255/1918, Gasteiger v. 9.9.1918. 115 dRGBl 1919, S.  28 ; AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1357, 3637/1918. Später wurde in Deutschland auch ein eigenes Gesetz erlassen ; dRGBl 1920, S.  458. Zu Deutschland siehe auch Christian Klein- schmidt, „Unproduktive Lasten“ : Kriegsinvaliden und Schwerbeschädigte in der Schwerindustrie nach dem Ersten Weltkrieg, in : Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte (1994) 2, S.  155–165. 116 Die Beobachtung der in anderen Ländern getroffenen Regelungen setzte sich auch nach der Einfüh- rung des Gesetzes fort ; z. B. Bundesministerium für Soziale Verwaltung, Amtliche Nachrichten, Wien 1922, S.  55 (Italien) ; S.  235 (Frankreich). 117 AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1357, 3637/1918, Gasteiger v. 17.2.1919.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Die Wundes des Staates
Untertitel
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Autoren
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
586
Kategorien
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