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Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Seite - 449 -
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449Entwicklung bis 1934 Demonstration, die durch das harte Eingreifen der Polizei mit 89 Toten und mehreren Hundert Verletzten endete, richtete sich gegen ein als skandalös empfundenes Ur- teil im sogenannten Schattendorfer Prozess und hatte insofern einen engen Bezug zur Kriegsopferbewegung, als die am Tag vor der Demonstration freigesprochenen Männer des Mordes an zwei Personen angeklagt gewesen waren, von denen einer ein Kriegsbeschädigter war.109 Der Reichsbund warf dem Zentralverband vor, dass dessen unmittelbar hinter dem Justizpalast gelegenes Verbandshaus den Demonstranten als Sammelplatz gedient habe,110 und als der Wiener Landesverband auch noch eine Aus- dehnung des IEG auf die Opfer unter den Demonstranten forderte, rückte der Reichs- bund empört von „jenen sogenannten Kriegsopferführern ab, welche diese Brandstifter und dieses Räubergesindel auf eine gleiche Stufe mit den Helden des Weltkrieges stellen wollten.“111 Die Länderkonferenz des Zentralverbandes verwarf diese Idee dann auch wieder, weil dadurch die in einem fort beteuerte parteipolitische Neutralität des Verbandes zu offensichtlich aufgegeben worden wäre.112 Gerade Überparteilichkeit war aber für den Zentralverband seit den ersten Tagen der Republik ein zentrales Schlagwort und das Argument für seinen Anspruch, die Vertretungsorganisation aller Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen zu sein. Als gäbe es, wenn es um die Anliegen von Kriegsbeschädigten ging, keine parteipoliti- schen Gegensätze, wurde nämlich von den Funktionären stets behauptet, dass in „kei- ner andern Standesorganisation […] Anhänger aller politischen Parteien zur gemein- samen Arbeit so innig vereinigt [seien], wie im Zentralverband und Landesverband Wien. Der christlichsoziale Landesrat Kamerad Mader,113 sitzt neben dem sozialde- mokratischen Vizebürgermeister von Graz Kameraden Rückl,114 der Großdeutsche neben den Kommunisten. Wenn sie die Kriegsopferfragen behandeln, wird alle Tages- 109 Die drei Männer, Angehörige der Frontkämpfervereinigung, waren des Mordes an einem Kriegsbe- schädigten und einem Jugendlichen bei Zusammenstößen zwischen sozialdemokratischem Schutz- bund und Frontkämpfervereinigung im burgenländischen Schattendorf angeklagt, ihr Freispruch am 14.7.1927 war Anlass der Demonstration. 110 „Was fällt Ihnen ein Herr Brandeisz ?“, in : Oesterreichs Kriegsopfer, Nr. 7/8 v. Juli/August 1927, S.  2. 111 „Resolutionen zum 15. Juli“, in : ebd., Nr. 10 v. Oktober 1927, S.  4. 112 „Tirol“, in : ebd., Nr. 1 v. Jänner 1928, S.  5f. 113 Hans Mader, Funktionär des Tiroler Landesverbandes des Zentralverbandes ; Landesverband Wien (Hg.), Handbuch, Wien 1921, S.  20. 114 Engelbert Rückl (*1888, †1946), war in der Ersten Republik Obmann des steirischen Landesverbandes des Zentralverbandes und Grazer Vizebürgermeister, nach dem Zweiten Weltkrieg im Mai 1945 für wenige Tage Bürgermeister der Stadt und an der Jahreswende von 1945 auf 1946 kurzzeitig Abge- ordneter (der SPÖ) zum Nationalrat ; http://www.parlament.gv.at/WW/DE/PAD_01717/pad_01717. shtml (Abfrage : 2.5.2012).
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Die Wundes des Staates
Untertitel
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Autoren
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
586
Kategorien
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