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gestand seine Liebe zur Musik ein. Ap rile
verwendete sich
für den talentvollen Kna-
ben, der bald Unterricht von tüchtigen
Meistern erhielt und auch Proben seines
glänzenden Talentes gab. Er zählte kaum
25 Jahre, als sein Ruhm auf allen Thea-
waren schon 1785 in Deutschland bekannt;
1787 folgte er einem Rufe nach Peters-
burg , wo er bis 1790 blieb, dann nach
Italien zurückkehrte, aber schon 1791 auf
eine Einladung des Kaisers Leopold I.
nach Wien kam, wo er an Salieri's
Stelle Kapellmeister wurde, und für die
Hofopernbühne heroische und komische
Opern schreiben sollte. In dieser Stellung
schuf er sein eigentliches Meisterwerk, die
komische Oper: „II m.atT'imon.io Fe^sto"
(1791), welchem solchem Grade des Kai-
sers Wohlgefallen erhielt, daß sie
auf des-
sen Befehl an einem Abende zweimal
hintereinander gegeben wurde. In Nea-
pel wurde dieselbe später an 57 aufein-
anderfolgenden Abenden gegeben. Als
sein Gönner Kaiser Leopold
starb,
verlor
Cimarosa seine Kap ellmeisterstelle; er
begab sich nach Italien, u. z. nach Neapel
zurück, wo er sich
verleiten ließ, an den
politischen Bewegungen der parthenopei-
schen Republik Theil zu nehmen. Als
die alte Verfassung wieder hergestellt
wurde, ward C. verhaftet und nur mit
Hilfe eines russischen Generals entging er
durch die Flucht dem furchtbaren Lose des
Henkertodes, welches die übrigen Freiheit-
fchwärmer getroffen. Er kam Ende 1300
nach Venedig, aber — wie es heißt — in
Folge der im Gefängnisse erlittenen Miß-
handlungen starb er schon nach wenigen
Wochen in der Blüthe seines Lebens, im
Alter von 46 Jahren. Ueber seinen Tod
gingen mannigfache Gerüchte. Es hieß
sogar, er sei vergiftet worden, so daß sein
Arzt Giovanni Picciati das Gerücht
öffentlich widerlegen mußte. C. hat Opern,
Cantaten, Oratorien, Messen u. drgl. m. geschrieben. Von ersteren allein soll
er mehr als 120 componirt haben, unter
denen die komischen besonders gelungen
sind. ^Gerber und die yAonvsiis Vio-
Frkpkis Fsusrkis zählen einen großen
Theil derselben auf). Für Wien ins-
besondere componirte er außer der er-
wähnten „II matn'mowio Fs^eto" noch
„^.mo^ ?sn^6 sagaes" 0p. duW (1793);
^ op.d. (1796) und
s" 0p. s^ria. (1798); — für
Cremoua ^?-ta5e^56" op. ssr. (1765);
— für Mailand: „1,6 t»-ams
op. d. (1787); — für Venedig:
0p. d. (1789); — „6tt
09.8. (1797); —
für Verona: „ l i convitato H^istra"
op. d. (1790);— u.fürBrescia: «Icia-
k'cle 0 la vsT-FMs clsl 50?s" 0p. s. (1790).
C.'s eigentliche Stärke war die komi-
sche Oper; einen Augenblick lang schien
es, als sollte er Mozart übertreffen.
Bemerkenswerth ist Gretry's Ansicht,
die dieser gegen Napoleon aussprach, als
er Cimarosa und Mozart verglich:
„Cimarosa, bemerkte Gretry, stellt
die Statue auf das Theater und das Pie-
destal in'sOrchester; Mozart aber stellt
umgekehrt die Statue in's Orchester und
das Piedestal in's Theater". Auf die ihm
von Kaiser Leopold erwiesene Huld war
C< nnd mit Recht stolz,
und trug die gol-
dene mit Diamanten besetzte mit dem
Porträt des Kaisers versehene Dose, ob-
wohl er nicht schnupfte, stets
bei
sich. Auf
einer Fahrt nach Versailles, wo ihm Je-
mand eine Prise Tabak anbot, die C.
ausschlug, zeigte er dem Schnupfer das
kais. Geschenk mit den Worten: „Obwohl
ich nicht schnupfe, trage ich doch eine schöne
Dose beständig bei mir. Sie ist ein Geschenk
des Kaisers von Oesterreich". Als er an
den Ort seiner Bestimmung angelangt
war und in einer Weile nach seinem
Kleinod sah, fand er statt dessen in der
Tasche ein Blättchen Papier, worauf ge-
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Bninski-Cordova, Band 2
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Bninski-Cordova
- Band
- 2
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1857
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 470
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon