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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Füger-Gsellhofer, Band 5
Seite - 344 -
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Seite - 344 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Füger-Gsellhofer, Band 5

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344 wirft, her: „Bleich, schwarzes Haar, öster- reichische Physiognomie, angenehmes Lächeln, trüb, verschlossen, geht viel mit Philistern um (!) , grollend, ewig bewegte Phantasie, aus Furcht Patriot (!) , classisches Wissen und Studium, wenig Erfindung in seinen Dramen, aber viel Poesie, geliebt und geach- tet, bereits unfruchtbar l !ü) , zerfallen mit sich selbst und unthätig; Hagestolz.") — Noch fügen wir die in L. von Alvenslebens „Biographischem Taschcnbuche" (Leipzig 1837, I6°.) I I . Jahrg. S. 92 enthaltene und in E. N. Oe tt ingers Journal „Argus" (Ham- burg, schui.4°.) 1337, Nr. 96 wieder gedruckte: „Federskizze" hier bei: „Auf den eisten An- blick, besonders in einiger Entfernung, nnbe- dentend. Er ist mittelgroß, hat eingefallene Wangen, die Gesichtsfarbe der Lebertranken, tiefe Schwermuth spricht sich in seinen Zügen aus, die sich aber im Gespräche schnell und wunderbar beleben und den Dichter von glü- hender Phantasie, welcher der deutschen Sprache ihre süßesten Laute abzugewinnen wußte, er- kennen lassen, doch bleibt ihnen eine gewisse Aengftlichkeit, die Furcht verletzt zu werden, unverkennbar aufgedrückt; man fühlt, daß dieser Mann tausend Fühlhörner hat, daß jede noch so leise Berührung ihn tief ver- wundet: er ist eine Sensitive. Sein Anzug ist wohlgeordnet, ohne gesucht Zu sein; er trägt eine Brille.") — Cajetan Cerri in der „Iris" vom Juli 1850 zeichnet folgende Sil- houette des Dichters: „Eine eigenthümliche stille, anspruchslose, fast unscheinbare Erschei- nung; kleine, etwas gebeugte Gestalt mit einem ovalen, ein wenig nach der Seite hän- genden Kopfe; kurzes, graues Haar; kurze Stirne; freundliche, tiefgeprägte Züge; sanfter Blick; dunkles, lebhaftes Auge; schlichter und altmodischer Anzug: im Benehmen äußerst gemüthlich, treuherzig, bescheiden, ja fast scheu; seine Gutmüthigkeit und Zuvorkommenheit mit Allen, namentlich aber mit auftauchenden Poeten, sind sprichwörtlich gewcrdcn, und haben bereits viele schöne, junge Talente unterstützt, aber auch manche Unberufene zur Selbstüberschätzung verleitet; sein Gespräch ist höchst belehrend, lebendig, geistreich und klar; man sieht es gleich, daß man es mit einer großen, fertigen Individualität zu thun habe, die mit sich selbst abgeschlossen hat; Anfangs erscheint er etwas wortkarg und kalt; aber gelingt es uns sein Vertrauen zu g<!wiw nen, so wird sein Wort zu einem frischen, sprudelnden Quell, und sein Gemüth offenbart sich als ein unendliches Meer, das uns gern in seine perlenreichcn Tiefen senken läßt. Er bleibt am liebsten allein, und spricht sehr oft mit sich selbst; kein Bart; trägt sehr selten Augengläser; macht jeden Abend seinen ein- samen Spaziergang, gewöhnlich mit den Hän- den am Rücken und in tiefen Gedanken ver- loren; bei Kleidern, Speisen, Vergnügungen — kurz, bei allen Erfordernissen des äußer- lichen Lebens ungemein genügsam und mit Allem zufrieden; als Mensch ein reiner cou- sequenter Charakter, und die Ebrenhaftigkeit selbst; in der literarischen Welt unstreitig der erste österreichische Dichter, der noch in der vormärzlichen Zeit Oesterreichs Literatur ge- genüber dem übermüthigen Auslande muth- voll und siegreich vortrat." II.ZurKntikseinerVichtuugen.») Allgemeines. Berliner Figaro. 1830, Nr. 237 (9. October): „Das Dichter-Quintett Müllner, Houwald, Grillparzer, Immermann und Raupach" ste- streitet Gri l lparzern die Gabe, antike Stosse zu behandeln (!) und weist ihn auf die Bahn des geschichtlichen Drama). — Seidlitz (Julius Dr.), Die Poesie und die Poeten in Oesterreich im I . 1836 (Grimma 1837, I . M. Gebhart, kl. 8".) I. Bd. S. 77 —88. l,Mehat Gri l lparzer", schreibt S., wie Shakspeare, Schil ler oder Grabbe einer großen Zeit das Gewand seiner Dichtung umgeworfen, doch darüber wollen wir nicht mit ihm streiten — er lebt und dichtet in Oesterreich. Ich glaube nicht zu irren, wenn ich behaupte, er hätte seine Dramen zum Munde gemacht, aus dem die Zeit große inhaltschwere Worte zu uns gesprochen, wenn er nicht wohl gewußt, daß die Censur schnell ihre Hemmketten um das rollende Rad feiner Nebe schlingen würbe. Seine südlich glühende Romantik scheint uns ohnehin immer ein Ge- heimniß zu verschweigen, mag sein, daß es das Geheimniß feiner Brust ist, dessen Wolken sich dunkelgrau an dem Himmel seiner spä- teren Werke ablagern. Auch darin liegt eine tiefe Eigenthümlichkeit feiner Poesie und seines Wesens, und des Landes und der Religion, der er angehört. Kein protestantischer Dichter vermöchte das Geheimnißvolle so zu realisiren, und auch wieder so in seine Charaktere zu bannen, wie Gri l lparzer. Auch darin schließt er sich den Spaniern an und ich irre wohl nicht, wenn ich ihn den Tragöden des Katholizismus nenne, in dessen tiefster Brust ein neuer Calderon schläft... Der Lyriker Gri l lparzer, kraftvoll, mächtig und ergrei- fend in seinen Gedichten ist wenigstens ebenso groß, als der Dramatiker. Seine Dichtung ist subjectiv.") — Lorm (Hieronymus), Wiens Poetische Schwingen, und Federn . . . (Leipzig 1847, Grunow, 8°.) S. 89—120. .Mne interessante literarisch-
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Füger-Gsellhofer, Band 5
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Füger-Gsellhofer
Band
5
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1859
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
426
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
Lexika Wurzbach-Lexikon
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