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einer Art umgab Hals und Büste. Fern
von aller Koketterie sprach etwas Ernstes,
znr Schwermuth Geneigtes aus ihrem
Wesen; niemals mit dem Publicum durch
Mieneuspiel verkehrend, verlor sie sich,
während sie sang, so sehr in den Aus-
druck des Gegenstandes, daß sie auch im
Concertgesange die höchste dramatische
Wirkung hervorbrachte. Im Jahre 1836
vermalte sich Julia Grisi zu London
mit Gerard de Melcy, der zwei Jahre
später mit Lord Castlereagh in ein
Duell gerieth, in welchem dieser Letztere
verwundet wurde. Diese Ehe war nicht
glücklich, schon nach wenigen Jahren
(1847) wurde sie aufgelöst. Die Klausel
im Scheidungsvertrag, wornach
sich
die
Künstlerin verpflichtete, ihrem Gatten
nach der Trennung jährlich, so lange sie
bei der Bühne blieb, 10,000 Francs zu
bezahlen, führte zu einem Proceß, wel-
chen jedoch die Sängerin gegen ihren
Mann verlor. Obwohl Frische und Glanz
ihrer Stimme gänzlich geschwunden sind,
singt sie noch immer in hochtragischen
Rollen. Dem Vernehmen nach soll sie
(seit 1856) mit dem berühmten Tenori-
sten Mario vermalt sein.
Kalorie äs« ^rtistes ärauiHtiyiies äo ?ari3
(Artikel von Coullilhac). — ^etis, Lio-
Li-aptue umvo«. cls5 Husieiens. — Nonäs
ärainatitiiie 28 oetobre 1838. — Vuo^oloipe-
äie äes 6on8 äs Zloväs (Artikel von F a y ol).
— IiwLtrateä I.0260Q Ns^ vg 1854 ^uii ^mit
Porträt, nach dieser ist sie 1816 geboren). —
Gaßner (F. S. vi.), Universal-Lerikon der
Tonkunst. Neue Handausgabe in einem Bande
(Stuttgart 1849, F. Köhler, Lex. 6°.) S. 381
ftennt ihren Gatten irrig Meley statt Melcy j^.
— Schilling (Guft. Vr.), Das musikalische
Europa (Speyer 1842, Neidhard, gr. 8°.)
S. 126 lnach diesem geb. 28. Juli 1811). —
Iris (Grazer Muster- und Modeblatt) 18Z6,
S. 92. — Humorist, herausgeg. von M. G.
Saphir. 1856, Nr. 71. — Gmundner Wo-
chenblatt 1856, Nr. 5. — Zeitung für die
elegante Welt, redigirt von Heinrich L a u b e.
2844, S. 315: „Der Verliebte" leine Episode
aus ihrem ober vielmehr aus dem Leben eines
Phantasten, der aus Liebe zu ihr den Verstand
verlor). — I/l2äöpeQä2.n 163, ?ol.) 1856, 17 levrier sin der Parise^
Correspondenz von Lecomte). — Dieselbe
9. März Ebenda; Briefe voll pikanter Einzel-
heiten über ihren Erfolg und Vergleichen
mit anderen berühmten Primadonnen). —
Neues Universal-Lexikon der Tonkunst (be-
gonnen von vr. Iul. Schladebach, fort-
gesetzt) von Eduard Bernsdorf (Dresden
1856, Schafer, gr. 8°.) II. Bd. S. 249. —
Porträte. 1) N. Caies litb. 4°. — 2) Nach
Valentini lith. von Vogt (Paris, Bulla <!:
Iouy, gr. Fol.). — 3) Lith. von Stadier
(Wien, Neumann, kl. Fol.). — 4) Zugleich
mit ihrer Schwester Judith. Oevsria, litn.
(Paris, Goupil <b Comp. gr. Fol.).
GrisUwlldi, Paolina, mit dem arka-
dischen Namen Lesbill Cidonill (Dich-
terin, geb. zu Bergamo 11. März
1746, gest. 8. März 1801). Eine Toch-
ter des Edelmanns Secco So ardi, er-
hielt sie den ersten Unterricht im elterli-
chen Hause, wo ihr eigener Vater densel-
ben leitete. In den schönen Wissenschaf-
ten, in der classischen Literatur, in der
engl. und französ. Sprache machte sie
überraschende Fortschritte, und gab früh-
zeitig Proben eines reichen dichterischen
Talentes. Kaum 17 Jahre alt, vermalte
sie sich
mit dem oonte Luigi Grismondi.
Der Tod ihres ersten Kindes, eines Kna-
ben, ergriff so sehr das weibliche Gemüth,
daß ihr Gemal, um
sie zu zerstreuen, mit
ihr nach Verona übersiedelte. Hier hebt
nun jener geistige Verkehr an mit den
hervorragendsten Persönlichkeiten ihrer
Zeit, der sie einerseits zu Schaffen an-
regte,- andererseits ihre literarische Stel-
lung in der Gesellschaft begründete. Un-
ter den Koryphäen des Kreises von Schön-
geistern, der sie umgab, befanden sich
GerolamoPompei, der berühmte Ueber-
setzer der Biographien Plutarchs, und
Hhppolit Pindemonte. Nach der Rück-
kehr in ihre Baterstadt veröffentlichte sie
über Zureden ihres Landsmannes Joseph
Beltramelli (s.d.I.Bd.S. 249) ihre
ersten Poesien, die bald die Runde in
den schöngeistigen Kreisen Italiens mach-
ten. Die Gesellschaft der Arkadier nahm
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Füger-Gsellhofer, Band 5
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Füger-Gsellhofer
- Band
- 5
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1859
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 426
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon