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pretendirten „poetischen Inhalt" ersetzbar
sei, führt er seine Ansicht in philosophisch,
scharfsinniger Form durch, ohne jedoch
den Gegenstand zum Abschlüsse gebracht
zu haben, wie es die kleine Literatur be«
weist, welche durch seine Schrift hervor»
gerufen worden und welche theils zustim-
mender, theils gegnerischer Tendenz- ist.
Von den selbststand igen hierauf bezüg-
lichen Schriften nennen wir unter A.:
Ambros, „Die Grenzen d'er Musik
und Poesie"; Kullak...Das Musikalisch-
Schöne", Graf Laurencin, „Eduard
Hanslick's Lehre vom Musikalisch-
Schönen. Eine Abwehr.". Im Jahre
1836 habilitirte sich H. als.Privatdocent
für Geschichte und Aesthetik der Tonkunst
an der Wiener Universität und wurde
1861 zum außerordentlichen Professor
dieses Faches ernannt. Durch H. ist zum
erstenmale die wissenschaftliche Behand-
lung der Musik an einer österreichischen
Universität vertreten worden. In der
Fastenzeit 1839 und 1860 hielt H. jedes-
mal einen Cyclus von acht Vorlesungen
(im Saale der Singakademie) vor einem
zahlreichen, aus Herren und Damen
bestehenden Publikum. Bei diesen, wie
bei seinen Universitätsvorträgen, führte
H. consequent (und unsers Wissens der
Erste) die Methode durch, die Vorträge
durchgehends durch Aufführung prak-
tischer Beispiele aus der Geschichte
(am Clavier oder durch Sänger) zu
erläutern und zu illustriren. Der erste
Cyclus von H.'s öffentlichen Vorlesungen
behandelte die „Geschichte der Oper";
der zweite die Geschichte der älteren
Musik bis Haydn. Im Winter 1360
wurde H. zum artistischen Beirathe des
Hofoperntheaters ernannt, eine Stelle,
die er schon nach wenigen Wochen nieder-
zulegen beabsichiigte, indem er, neben dem
Director Sa lv i für das Interesse der wahren Kunst zu wirken,
sich anßer Stand
fühlte. Jedoch wurde, wie spätere Nach-
richten meldeten, der obwaltende Zwie»
spalt, mindestens vor der Hand beigelegt.
H. bekleidet gegenwärtig neben seiner
(unbesoldeten) Professur die Stelle eines
Ministerialconcipisten in der Unterrichts»
section des Staatsmmisteriums.
Presse 1838, Nr. 69: „Ueber Liszt's Graner
Festmesse"; Nr. 72: „Die Anfänge der Oper".
— Frankl (L.A.). Sonntagsblätter (Wien.
gr, 8".) Jahrg. V (l846). S. N75: „Ueber
Robert Schumann"; — Ichrg. VI(l84?).
S. 96: „Ueber Mcy erbeer". — Im Wiener
Boten (Veilage der „Sonntagsblätter") 1847,
Nr. 44.- Ueber Mendelssohn's „Elias".
ßMlslick (häufiger Hanslik), Joseph
Adolph (Bibl iograph und Schrift-
steller, geb. 1783 zu Lischau bei Ra-
konitz im westlichen Böhmen, gest. zu
Prag 2. Februar 4339). Ursprünglich
zum geistlichen Stande bestimmt, fühlte
er sich, namentlich von seinen Professoren
Meißner und Meinert (an der Pra»
ger Universität) zu literarischen und ästhe»
tischen Studien angeregt und nahm die
Stelle eines Scriptors an der Prager
Universitätsbibliothek an. In die Zeit sei»
ner Anstellung in dieser Bibliothek vom
Jahre 1822 bis 1836 MdiePeriode semer
bedeutendsten schriftstellerischen Thätigkeit,
die sich von poetischen und humoristischen
Versuchen, die in Prager Zeitschristen
erschienen, immer entschiedener um Aesthetik
und Bibliographie concentrirte. Er gab
zuerst die „Uebersicht der lugischril Farmen
ls Hilfsmittel limu öffentlichen nnd Selbst-
unterrichte" Drag 1822, Enders, gr. Fol.).
und im folgenden Jahre die von seinem
Freunde, dem damaligen Professor der
Aesthetik I . H. Dambeck ss.
d. Bd. I I I ,
S. !37^ hinterlassenen „Vorlesungen nber
thrtik". 2 Bde. (Prag 1823, 8".).
herauö. Im Jahre 1832 veroffentlicbte
H< mit Unterstützung der kais. Akademie
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Habsburg-Hartlieb, Band 7
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Habsburg-Hartlieb
- Band
- 7
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1861
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 472
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon